TUMULT FRÜHJAHR 2017

Die »heutige linke Mode, in die fernere Zukunft und auf einen Weltstaat zu blicken, ist so nutzlos wie der Glaube an Marxens Geschichtsphilosophie, für den sie ein Ersatz geworden ist«, sagt der Philosoph Richard Rorty 1997 in einer Vorlesung zur Geschichte der US-amerikanischen Zivilisation. Die »neue, kulturelle Linke« sei »keine Linke, von der man verlangen kann, sich mit den Folgen der Globalisierung auseinanderzusetzen«. Rorty empfiehlt dieser Linken eindringlich, ihre »philosophische Pose« aufzugeben und die »Überreste unseres Stolzes als Amerikaner« zu mobilisieren. 
       Am 20. Januar 2017 wurde vor dem Kapitol in Washington ein Mann namens Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt, der in seiner Inaugurationsrede dieser Empfehlung exakt folgt. (Siehe den Beitrag von Ulrich Schacht)
       Wenn in weiten Regionen der Welt, bis hinein in Moscheen auf deutschem Boden, der Hass auf den Westen zur Staats- und Religionsdoktrin erklärt, wenn Kindern in Schulbüchern beigebracht wird, den Ungläubigen mit Hass zu begegnen, dann steht die Frage nach dem Clash of Civilizations dringender denn je auf der Tagesordnung. Der Einsicht in die Wirkungsmacht des Hasses ist die politische Theorie und Praxis der westlichen Welt nicht mehr gewachsen. Die anämischen Gefühlsvortäuschungen der Willkommenskultur sind sicher keine ernst zu nehmenden Gegengewichte gegen den Hass, der der westlichen Lebensform entgegenschlägt. Sie ist wohl eher Ausdruck jenes Phänomens, für das Anna Freud die Formel von der »Identifikation mit dem Angreifer« gefunden hat. (Siehe den Beitrag von Peter J. Brenner)
       Unser Interesse an den Folgen einer Entgrenzungspraxis, die mit der Beschwörung »universaler Werte« ins Leere führt, fördert auch andere, verwandte Interessen. Viel Beachtung und Raum werden wir den Übergängen der digitalisierten Gesellschaft ins Posthumane widmen – siehe in dieser Ausgabe die Beiträge von Martin Kurthen, Jochen Beyse und Martin Burckhardt.

 

TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung schlägt Schneisen in die subventionierte Wirklichkeit, sorgt für Belichtungen von toten Winkeln der Wahrnehmung und öffnet Landschaften der Poesie.

TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung durchmisst die Räume des Politischen, erforscht die
Lebenswelt Netz, informiert über Die Bewirtschaftung der Zukunft und sucht Das Gespenst Sexualität heim.

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Umfang: 96 Seiten
Preis: 8,00 Euro (D) 8,50 Euro (A) 10,00 SFR (CH)
Format: 20 x 28,6 cm


Erscheinungsdatum: 8. März 2017
Pressecode: 4-198745-408000-01
Vertriebsinformationen: siehe hier ☛

TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung erscheint vier Mal im Jahr, und zwar jeweils im Frühjahr (März), im Sommer (Juni), im Herbst (September) und im Winter (Dezember). Verleger und Inhaber der Zeitschrift ist der Verein Freunde der Vierteljahresschrift TUMULT
e. V.
, Dresden. Näheres siehe Menüpunkt FÖRDERVEREIN

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INHALT

 

Frank Böckelmann – Die Ewiggestrigen Zur Ausgabe Frühjahr 2017


SCHNEISEN

Ulrich Schacht – Der Ghostwriter Wie viel Richard-Rorty-Kritik am linksliberalen Establishment steckt in Donald Trumps Inauguralrede? 
Peter J. Brenner – Der Hass Zur Wiederkehr eines starken Gefühls
Eberhard Sens – Afrika und die Frau Bundeskanzlerin Fünf Notizen
Manfred Lauermann – China – fit für den Krieg
Armin Langroudi – Geeint in der Barbarei Die Machtkämpfe der islamischen Glaubensbrüder
Parviz Amoghli – Imperium Europaeum Ein Gedankenspiel ☛ PDF
 

LEBENSWELT NETZ

Martin Kurthen – BrainConnect/MindDissect Die Zwischenwelt der Hirn-Maschine-Schnittstellen
Jochen Beyse – Raumsonden unterwegs Auszug aus einer Erzählung
Martin Burckhardt – Ich. Allüberall. Depotenziert

 

RÄUME DES POLITISCHEN

Siegfried Gerlich – Das alte und das neue Nomadentum Metamorphosen eines anthropologischen Typus. Erster Teil
Bettina Gruber – Minderheiten. Ein Irrtum
Peter Hoeres – »Liebling der Massenmedien« Ernst Nolte und die FAZ ☛ PDF
Till Kinzel – Institutionalisierung der Manipulation als Konsequenz der Moderne? Ein Blick zurück auf Ioan P. Culianu


DIE BEWIRTSCHAFTUNG DER ZUKUNFT

Albrecht Goeschel – AOK: Finanzkonzern des Deutschen Monetarismus Die Metamorphose von Sozialgeld zu Spekulationskapital
 

BELICHTUNGEN

Josef Kraus – Wenn Schulpolitik und Pädagogik zu Kitsch werden Der kleine Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen
Christian J. Grothaus – Die »schlechte Unendlichkeit« Über ein Virus im deutschen Wesen ☛ PDF
Rainer Paris – Anspruchsdenken Versuch über die Kanalisierung der Wünsche
Johann Felix Baldig – Der Geschmack des menschlichen Fleisches Künstlerische Interventionen der HGB-Studierenden in die »Sammlungen des weißen Mannes« 

LANDSCHAFTEN

Takasaki – 6122,1  6128,1  6134,1
Benjamin Jahn Zschocke – Savoy Grand No. 13 Stadien des RückzugsInneres Exil
Michael Zeller – Die zwei Fräulein und ich