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Adorján Kovács: MUSS MAN MITEINANDER REDEN? HINTERFRAGUNG EINER SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT

Eines der dauernd wiederholten journalistischen Mantras ist jenes vom „miteinander Reden“. Aber Hand aufs Herz und ganz konkret: Mit Linken reden? Geht das überhaupt? Die Frankfurter Professorin Susanne Schröter hat kürzlich die Probe aufs Exempel gemacht und es bei einer wissenschaftlichen Tagung zur Migration wieder einmal versucht – es war sinnlos.

IconTrack, CC BY 4.0 via Wikimedia Commons


Es macht mittlerweile nur noch traurig, im innenpolitischen Bereich der BRD immer wieder, immer noch den Wunsch zu hören, dass man „miteinander reden“ müsse. Wer ist das eigentlich, der das überhaupt will? Der Wunsch wird nämlich überwiegend von konservativer Seite geäußert, meist von Leuten, die gerade der „Cancel Culture“ zum Opfer gefallen sind oder medial ins Abseits gestellt wurden. Warum, fragen sie, wird über uns, aber nicht mit uns geredet, wenn wir überhaupt noch zur Kenntnis genommen werden? Wir haben doch nur eine andere Meinung. Das hilflos-naive Flehen nach einer „Diskurskultur“ macht die Runde, obwohl jedem klar sein müsste, dass die Talkshows mit ihrem Geschwätz den Diskurs und mittlerweile auch die Scheindiskussionen des Parteienkartells im Bundestag ersetzen und oppositionelle Positionen regelmäßig im herrschaftsfreien Diskursverhältnis 4 zu 1 fertiggemacht werden. Miteinander geredet wird nur unter Linken. Das wenigstens sollte man endlich begriffen haben.


Miteinander über Meinung reden


Natürlich ist das „miteinander Reden“ für den außenpolitischen Bereich der Diplomatie essenziell, obwohl dort von jeher die Machtverhältnisse entscheidend sind: Hat es der Stärkere überhaupt nötig, mit dem Schwächeren zu reden? Aber im windstillen Milieu der alten BRD, die behütet unter der Käseglocke des amerikanischen Hegemons lebte, war es tatsächlich möglich, dass ein strammer Rechter wie Franz-Josef Strauß „mit“ einem sozialdemokratisierten Kommunisten wie Herbert Wehner „redete“. Diese Zeiten sind vorbei. Sie waren auch nie wirklich real, sondern eine Illusion, die nur in der gehegten Scheinwelt der alten BRD gepflegt werden konnte. Strauß selbst und auch Wehner dürften am wenigsten diese Illusion geteilt haben. Linke wollen immer, aber in der BRD spätestens wieder seit 1968 ihre destruktive Agenda – auch mit Gewalt, wie die „Antifa“ zeigt – durchsetzen, sonst nichts; wenn dazu formal Gespräche hilfreich waren, nun gut, dann hat man eben „miteinander geredet“. Heute ist das obsolet – sie haben die Macht. Wenn jede ihrer Lösungen, die zuverlässig in den Abgrund führen, alternativlos ist, wird das Reden sehr einseitig. Was alles zum Beispiel ist für die selbsternannten „Antifaschisten“ heute schon „keine Meinung“ mehr, also nichts, worüber sich lohnen würde, „miteinander zu reden“?

Der „Antifaschismus“ ist, man hört es jeden Tag, die offizielle Staatsideologie der BRD. Das Mantra dieses staatstragenden „Antifaschismus“ offenbart aber eine Wahrheit, die seinen Protagonisten wahrscheinlich nicht einmal peinlich ist. Damit der Sozialismus nicht durch seine nationale Variante in seiner menschenverachtenden Qualität erkannt wird, gab Josef Stalin der Komintern die Direktive, bei allen ihren Gegnern nur noch von Faschisten zu sprechen und vom „antifaschistischen“ Kampf der Kommunisten. Übrigens galten damit damals auch die Sozialdemokraten als Faschisten. Die „Antifa“ und alle selbsternannten Kämpfer gegen den „Faschismus“ in Deutschland befolgen demnach auch heute eine Direktive Stalins. Das sollte man wissen, bevor man um einen „Diskurs“ mit Linken winselt. Worin noch wird ihnen Stalin in Zukunft Vorbild sein?


Keine Garantie für nichts


In einer linksradikalen Buchhandlung, in deren Schaufenster unbehelligt der Rote Stern, also ein Symbol für die Ermordung von Millionen Menschen, prangt, kommt man ins Gespräch mit dem jungen Buchhändler. Es geht um Meinungsfreiheit und „Diskurskultur“. Er meint, die junge Generation würde immer von der offenen „Diskurskultur“ der 70er Jahre hören, als alle kontroversen Meinungen gehört worden seien und man trotzdem hinterher ein Bier trinken gegangen sei. Das würden die Jungen heute nicht mehr wollen. Um politische Ziele zu erreichen, sei es besser, sich von den Andersmeinenden abzugrenzen und diese gar nicht anzuhören. Slavoj Žižek habe gesagt, wenn er an die Macht käme, könne er für nichts garantieren: Das fänden die Jungen gut. Es geht hier natürlich um linke Ziele. Wenn die Rechten das umgekehrt auch so sähen, sei das in Ordnung – es gehe eben um die Macht. Mit anderen Worten: Der linke Totalitarismus wird von der aktiven linken Jugend umarmt – und eine andere ist ja derzeit in der BRD weitgehend unsichtbar.


Eine Ursünde konservativer und liberaler Parteien in der BRD war und ist es auch, mit linken Parteien zu koalieren. Auch da wird behauptet (eine Lüge, wie der Umgang mit der AfD zeigt), in einer Demokratie müsse „jeder mit jedem reden“ – und koalieren – können. Polarisierung, so wird gesagt, dürfe nicht sein. Die ist aber, wie Linke wissen, zur Schärfung des Profils nötig! Denn solche Regierungskoalitionen sind immer zum Nachteil der Nicht-Linken, die jedesmal mehr von ihren Positionen preisgeben. Der Beweis? Die SPD ist nach 12 Jahren „Großer Koalition“ immer noch eine linke Partei, ja, noch linker als vorher, während die einst konservative CDU tatsächlich zu einer linken Partei mutiert ist. Und wer will die FDP der Ampelkoalition im Ernst noch als liberal bezeichnen?


Hecheln nach linker Anerkennung


Bücher wie das von Lichtmesz und Sommerfeld („Mit Linken leben“), die zwar illusionslos, aber immer noch zu konziliant das Gespräch mit Linken für möglich halten, verkennen, dass jedes Gespräch mit Linken unnötiger Kalorienverbrauch ist. Was wollen Sie mit Linken bereden, die den (an sich schon unmöglichen) Geschlechtswechsel per Sprechakt gesetzlich ermöglichen, jedoch ebendiesen Wechsel im Kriegsfall für ungültig erklären? Was mit Linken, die den Wald retten wollen und ihn gleichzeitig für Windräder zubetonieren oder abholzen? Sie tun derlei Irrsinnigkeiten nur, weil sie die Macht zur Destruktion haben, nicht, weil sie etwa besonders überzeugt von ihren destruktiven Ideen wären. Es geht nur um Macht.


Das Hecheln nach linker Anerkennung ist deshalb erbärmlich. Es nützt einem Konservativen auch nichts, sich ständig zu entschuldigen oder zu betonen, man sei „eigentlich liberal, aber…“. Was erwartet man, wenn schon linke Abweichler wie Schwarzer und Wagenknecht ausgegrenzt werden? Draußen ist draußen, einmal weg, immer weg. Deshalb ist die erste Konsequenz die, dass in einem Land, in dem Millionen sich als „links“ bezeichnen dürfen, ohne dass ein Haldenwang tätig wird, die Selbstbezeichnung „rechts“ wieder selbstverständlich werden muss. Schluß mit dem sich Entschuldigen! Solange es noch erlaubt wird, sich in der eigenen „Blase“ zu äußern (und wenn selbst das nicht mehr geht, dann im Samisdat-Modus), muss eben (mit Rundfunkprogrammen, Zeitschriften usw.) versucht werden, den Hallraum dieser „Blase“ zu vergrößern – nicht, um Linke zu überzeugen, was eh nicht geht, sondern um diejenigen zu erreichen, die es nicht wagen, sich als Rechte zu bezeichnen, obwohl sie es de facto sind. Je mehr Demokraten es gibt, die sich selbstverständlich und ungeniert als rechts bezeichnen, desto weniger verfangen die linken Redeverbote. Dazu braucht man gar nicht „miteinander zu reden“. Und hinsichtlich der Machtfrage ist das Ziel klar, und der alte Taktiker Viktor Orbán sagt es frei heraus: „Die einzige Verantwortung, die Rechte gegenüber den Linken haben, ist, alles zu tun, damit diese nicht mehr in Regierungsverantwortung kommen.“


Über den Autor: Adorján Kovács ist Gesichtschirurg und Essayist. Näheres zu Werk und Wirken finden Interessierte auf der Webseite des Autors.


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