GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG VON FRANK BÖCKELMANN UND LEON WILHELM PLÖCKS


Der Vertrag mit Leon Wilhelm Plöcks, seit 1. Juli Chefredakteur der Vierteljahresschrift TUMULT, wird auf eigenen Wunsch einvernehmlich zum 31. Dezember 2022 aufgehoben. Die redaktionelle Verantwortung für die Ausgabe Winter 2022 der Vierteljahresschrift, die als erste seiner Amtszeit von Plöcks verantwortet werden sollte, und nachfolgende Ausgaben übernimmt damit bis auf Weiteres wieder Frank Böckelmann. Dabei wird er nach eigenem Ermessen auf die bereits geleistete redaktionelle Arbeit des Chefredakteurs zurückgreifen.


Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit sind weder redaktionell-inhaltliche noch persönliche oder anderweitige Differenzen, sondern allein unterschiedliche Auffassungen über die langfristige Absicherung der neugeschaffenen Position und der Interessen eines Chefredakteurs der Vierteljahresschrift TUMULT, insbesondere für den Fall des Todes oder der dauerhaften Geschäftsunfähigkeit des heute 81-jährigen Frank Böckelmann und gegenüber möglichen Kontroll- und Beeinflussungsabsichten seitens des Trägervereins Freunde der Vierteljahresschrift TUMULT e.V.


Hintergrund ist, dass der Verein als Träger und Verlag der Zeitschrift fungiert, während Frank Böckelmann ihr Gründer und Herausgeber sowie Inhaber der Wortmarke „Tumult“ und 1. Vorsitzender des Vereins ist. Ungeachtet dieser Konstellation werden sämtliche mit der Leitung, redaktionellen Betreuung, Gestaltung, Herausgabe, Vermarktung etc. der Zeitschrift verbundenen Aufgaben, gewissermaßen das „Alltagsgeschäft“ der Zeitschrift, von Frank Böckelmann und, seit dessen Ernennung, vom neuen Chefredakteur sowie von freien Mitarbeitern wahrgenommen.


Als entscheidend für die Aufhebung des Vertragsverhältnisses stellen sich im Rückblick zwei aktuelle Entwicklungen dar. Zum einen hat Frank Böckelmann auf der letzten Mitgliederversammlung des Vereins am 17.09.2022 in Berlin seine Absicht erklärt, testamentarisch zu verfügen, dass die Rechte an der Wortmarke im Falle seines Todes an den Verein übergehen. Hierdurch würde der Verein, obgleich in das konkrete „Machen“ der Zeitschrift nicht involviert, bei Eintreten des Erbfalls die alleinigen Besitzrechte und die daraus abgeleiteten Entscheidungsbefugnisse, mithin die vollständige Kontrolle über die Zeitschrift und alle mit dieser zusammenhängenden Belange erhalten.


Zudem wurde durch ein wenige Wochen vor dem Termin der Mitgliederversammlung von Frank Böckelmann beauftragtes Rechtsgutachten festgestellt, dass es vereins- und steuerrechtlich nicht zulässig wäre, wenn Leon Wilhelm Plöcks, formal eine Honorarkraft des Vereins, wie von ihm und Böckelmann erwogen, zugleich zum Amt des 2. Vorsitzenden des Vereins kandidieren würde. Bis dahin hatten Böckelmann und Plöcks aufgrund einer davon abweichenden diesbezüglichen Einschätzung des früheren Schatzmeisters des Vereins am 29. Mai (also vor Vertragsschluss), angenommen, dass dies möglich ist.


Aus den oben skizzierten aktuellen Entwicklungen ergab sich aus Sicht von Leon Wilhelm Plöcks die Notwendigkeit, die durch diese bedingten, neu eingetretenen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten im Hinblick auf die langfristige Sicherung der Position des Chefredakteurs durch geeignete Regelungen und Verfügungen kompensiert zu wissen. Anderenfalls, so seine Befürchtung, könne er im ungünstigsten Fall der Früchte seiner auf Verwirklichung bestimmter Ziele gerichteten Arbeit (z.B. Erhalt und Erweiterung der Leserschaft, Gewinnung neuer Sponsoren und Autoren, Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Marke, Sicherung der hohen redaktionellen Qualität) verlustig gehen. Zudem hatte er die – der bei TUMULT wie bei vielen anderen „alternativen“ Medien anzutreffenden Finanzlage geschuldete – Honorierung seiner Tätigkeit weit unter marktüblichen Sätzen stets nur bereitwillig als Investition in eine Zukunft akzeptiert, in der er langfristig die von Frank Böckelmann in Aussicht gestellte Gesamtleitung der Zeitschrift übernehmen könne. Durch die beschriebenen Entwicklungen sah er diese Perspektive als gefährdet oder beeinträchtigt an.


Zu den Möglichkeiten, die Plöcks in diesem Zusammenhang als Lösung vorschlug, gehörte u.a. die testamentarische Übertragung der Markenrechte an den bei Eintreten des Erbfalls jeweils amtierenden Chefredakteur oder die Neugründung einer Gesellschaft zur Verwaltung der Markenrechte. Da Frank Böckelmann erklärte, zu Regelungen dieser Art zumindest gegenwärtig nicht bereit zu sein, da er sich ungeachtet aller positiven Eindrücke und Erwartungen zunächst ein Bild von mehreren von Plöcks verantworteten Ausgaben der Vierteljahresschrift machen müsse, bevor er dies in Erwägung ziehen könne, sah sich Leon Wilhelm Plöcks mit Bedauern dazu veranlasst, das Amt des Chefredakteurs von TUMULT mit Wirkung zum 31.12.2022 niederzulegen. Trotz des gegebenen Verständnisses für die von Frank Böckelmann eingenommene Haltung musste er seiner Auffassung nach auf einer Absicherung der Position des Chefredakteurs bereits zu diesem vergleichsweise frühen Zeitpunkt seiner Tätigkeit auch deshalb bestehen, weil er diese Position mit weitreichenden biographischen Weichenstellungen verbunden sieht, die – nicht zuletzt auch durch die gesellschaftlichen Verhältnisse bedingt – teilweise irreversiblen Charakter haben.


Die Unterzeichner legen Wert auf die Feststellung, dass die Beendigung des Vertragsverhältnisses nicht im Streit vollzogen wird und dass sie durch diese keinen Groll gegeneinander hegen.


Frank Böckelmann, Leon Wilhelm Plöcks am 28. September 2022