Alan McMillan: EURIPIDES: Vom Interventionisten zum Isolationisten?

Aktualisiert: 17. Feb 2019

Warum außenpolitische Theoriegebäude allein anhand präsidialer Tweets abschreiten, wenn sich auch Euripides als Stichwortgeber anbietet? Auf den Spuren des griechischen Tragikers zeigt unser Autor Alan McMillan auf, dass das Oszillieren zwischen Abschottung auf der einen und weltpolizeilichen Ambitionen auf der anderen Seite nicht erst seit dem 21. Jahrhundert auf den Tagesordnungen der Großmächte steht.



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Zwar hatten bereits Karl Marx und Friedrich Engels im Revolutionsjahr 1848 in ihrem Manifest der Kommunistischen Partei vom »alten Europa« gesprochen, meinten damit jedoch etwas anderes als der zweimalige Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, der diesen Begriff im Januar 2003 prägte, nachdem Frankreich und Deutschland den USA für den Irak-Krieg die Gefolgschaft verweigert hatten. Er sagte: »You’re thinking of Europe as Germany and France. I don’t. I think that’s old Europe«.[1] Das »neue Europa« war für Donald Rumsfeld vor allem hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang zu verorten und besonders Polen, das sich der Koalition der Willigen ohne Umschweife angeschlossen hatte, gehörte dazu. M. Klingst schrieb im Jahr 2011 auf Zeit Online über die Memoiren des Verteidigungsministers und interventionsfreudigen Neokonservativen, dieser habe seine Meinung zu Frankreich und Deutschland nicht revidiert.[2] Ich kann mich hingegen an einen Auftritt Donald Rumsfelds in Westeuropa erinnern, bei dem er, auf sein berühmtes Zitat angesprochen, entgegnete, das sei der »alte Donald Rumsfeld« gewesen.

Vermutlich war das nur rhetorisches Geschick und Schlagfertigkeit des alten Falken, aber wie verhält es sich mit den Ansichten des griechischen Tragikers Euripides zu militärischen Interventionen seiner Heimatstadt Athen? Ist bei diesem gegebenenfalls eine Veränderung der Sichtweise auf eine militärische Einmischung zu Gunsten befreundeter poleis oder zur Ausdehnung des eigenen Machtbereichs zu konstatieren? Ist Euripides während der Zeit des brüchigen Nikias-Friedens von einem Interventionalisten zu einem Isolationisten geworden? Wichtig sind für die Beantwortung dieser Frage insbesondere zwei Dramen des Euripides: die nach 424 v. Chr. aufgeführten Hiketiden und die wahrscheinlich zu den Großen Dionysien des Jahres 415 aufgeführten Troerinnen. Darüber hinaus werden wir der bei Thukydides wiedergegebenen Rede des Nikias im Vorfeld der Sizilienexpedition, die im selben Jahr beschlossen wurde, einige Beachtung zu schenken haben.

Dabei könnte die Frage, ob eine militärische Großmacht zugunsten verbündeter Staaten oder zur Wahrung geopolitischer Interessen rund um den Globus intervenieren solle oder nicht, kaum aktueller sein als heutzutage. Erst am 20. Dezember 2018 rechtfertigte Präsident Donald Trump seine Entscheidung, gegen den Willen vieler Demokraten und Republikaner die in Syrien eingesetzten US-Truppen abzuziehen, mit folgenden Worten auf Twitter: »Does the USA want to be the Policeman of the Middle East, getting NOTHING but spending precious lives and trillions of dollars protecting others who, in almost all cases, do not appreciate what we are doing? Do we want to be there forever? Time for others to finally fight.....«[3] Schützenhilfe für diesen Schritt erhielt Trump vor allem von dem Talkshow-Moderator Tucker Carlson und dem republikanischen Senator Kentuckys, Rand Paul, der den angekündigten Abzug der US-Soldaten auf Fox News als Erfüllung eines der wichtigsten Wahlversprechen des amtierenden Präsidenten bezeichnete, derentwegen er gewählt worden sei.[4]

Euripides: Was wissen wir wirklich?


Euripides bildet – gemeinsam mit Aischylos und Sophokles – die Trias der großen griechischen Tragödiendichter, doch können nur wenige Daten aus seinem Leben als tatsächlich gesichert gelten.[5] Geboren wurde der Dichter zwischen 485 und 480 v. Chr. auf Salamis, nahm 455 zum ersten Mal an den Großen Dionysien teil und errang seinen ersten Sieg im Jahre 441. Gestorben ist Euripides wahrscheinlich 406 am Hof des makedonischen Königs Archelaos I. in Pella, nachdem er sich im Jahr 408 dorthin begeben hatte.[6] Ob er indes von Hunden zerfleischt wurde, die ihn wegen seines Mundgeruchs angriffen, wie berichtet wird, darf mindestens bezweifelt werden, denn die lange nach Euripides’ Tod entstandenen Viten »atmen den Geist der attischen Komödie, die im 5. Jahrhundert zeitgenössische Politiker und Intellektuelle in einer Art von Zerrspiegel präsentierte«.[7] Obgleich dem Dichter großer Nachruhm beschert sein sollte, belegte er zu Lebzeiten nur viermal den ersten Platz im tragischen Wettstreit. B. Zimmermann bemerkt dazu, dass Euripides zeitlebens »nicht gerade vom Erfolg verwöhnt« gewesen, im 4. Jh. allerdings zum Tragiker par excellence avanciert sei.[8]

Euripides

Und als dann vom 4. Jh. an auch das Interesse an den Biographien der großen Tragiker des 5. Jh.s wuchs, »fanden sich«, so M. Hose, »als Informanten nur die Komödien«.[9] Daraus sei ein Euripides-Bild entstanden, welches zwar wenig über die historische Person des Dichters aussage, aber viel über die Wirkung seiner Stücke preisgebe. Wir wollen in dieser Untersuchung ganz auf das Heranziehen der unzuverlässigen Lebensbeschreibungen verzichten. Stattdessen werden wir, wo immer wir Überlegungen über die politische Haltung des Dichters anstellen, allein von den tradierten Dramen ausgehen und diese dabei im Kontext der von Thukydides dokumentierten historischen Entwicklung betrachten. Dabei wollen wir uns nicht dazu vermessen, die alte Streitfrage, ob Tragödiendichter Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen konnten oder das Publikum gar erziehen wollten, zu beantworten.[10] Es geht uns nur um die wahrscheinliche Sichtweise des Dichters, nicht darum, ihm bestimmte Absichten zu unterstellen.



Die Zeit des Nikias-Friedens


Nachdem Kleon die Athener im Frühjahr 422 gegen die Bedenken des Nikias zu einer groß angelegten Expedition in den Norden hatte bewegen können und in der Folge als Oberbefehlshaber des Heeres bei Amphipolis gefallen war, nahm Nikias mit den Spartanern Friedensverhandlungen auf. Sie führten am 11. April 421 zum Abschluss eines Friedensvertrages, mit dem der Archidamische Krieg nach zehn Jahren ein Ende fand. Allerdings handelte es sich bei diesem Frieden um einen faulen »Frieden und »nach einigen hochkomplizierten diplomatischen Verwicklungen«, so B. Bleckmann, sei »es zu Stellvertreterkriegen oder sogar wieder zur direkten Konfrontation zwischen Athen und Sparta« gekommen.[11] So weigerte sich schon der spartanische Kommandant Klearidas, die Stadt Amphipolis gegen den Willen der Bewohner an die Athener zu übergeben, wie es im Friedensvertrag vereinbart worden war. Die Nachsicht der Athener, welche ihrerseits wenig Bereitschaft an den Tag legten, alle Bestimmungen des Friedensvertrages zu exekutieren, erklärt sich laut Bleckmann mit den gravierenden Schwierigkeiten, welche Spartas Bundesgenossen dem Hegemon auf der Peloponnes bereiteten.[12] So hatten etwa Megara und Korinth dem Nikias-Frieden die Anerkennung verweigert, Elis’ Beziehungen zu Sparta befanden sich auf einem Tiefpunkt, und die Mantineier versuchten sogar, sich gegen die Spartaner als Vormacht in Arkadien zu etablieren. Zu allem Überdruss für die Lakedaimonier lief der auf dreißig Jahre befristete Frieden zwischen Argos und Sparta just zur Zeit des Nikias-Friedens ab. Dem jungen, aufstrebenden Politiker Alkibiades, der – wie zuvor Kleon – zu einem Erzrivalen des vorsichtig agierenden, mehr auf Konsolidierung als auf Expansion bedachten Nikias wurde, gelang es in der Folge, aus den demokratisch verfassten Staaten Argos, Elis und Mantineia eine sogenannte Quadrupelallianz mit Athen zu schmieden. Mit Bestehen dieses Bündnisses wurde der Nikias-Frieden de facto außer Kraft gesetzt. In der Nähe von Mantineia kam es 418 zur Entscheidungsschlacht zwischen Sparta und den verbündeten Staaten Argos, Mantineia und Athen, bei der sich die Spartaner als Vormacht auf der Peloponnes souverän behaupten konnten. Dass Alkibiades 417 gemeinsam mit seinem Gegenspieler Nikias wieder zum Strategen gewählt wurde, zeigt vor allem eines ganz deutlich: Das Volk der Athener war sich zutiefst uneinig darüber, ob man auf Intervention oder Konsolidierung des eigenen Machtbereiches, auf Provokation oder Verständigung mit Sparta setzen solle. Um eine athenische Intervention zugunsten des Stadtstaates Argos geht es auch in einem Drama des Euripides, das wir uns im Folgenden vornehmen möchten.



Die Hiketiden und die Rolle Athens


Die Hiketiden oder Bittflehenden Mütter des Euripides sind von der Forschung lange Zeit sehr negativ beurteilt worden – als politisches Tendenzstück, das gar nicht den Anspruch erheben dürfe, eine richtige Tragödie zu sein. August Wilhelm Schlegel nannte es ein »Gelegenheitsstück, das nur als Schmeichelei gegen die Athener« habe »Glück machen« können.[13] Eine differenziertere Sichtweise auf das Drama, für dessen terminus post quem gemeinhin das Jahr 424 akzeptiert wird und das manchmal auf 421 datiert wird, entwickelte erst Günther Zuntz, der auf die ethischen Dimensionen des Stücks verwies, die bis dahin übersehen worden waren. Er hat außerdem zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass die Athener Euripides’ »politische Dramen« offensichtlich als Tragödien akzeptierten.[14] Hier soll im Folgenden eine Zusammenfassung der Hiketiden gegeben werden, wobei der Fokus selbstverständlich auf jene Episoden zu richten sein wird, die sich mit Blick auf den Untersuchungsgegenstand als von besonderem Interesse erweisen.

Zu Anfang betet Theseus’ Mutter Aithra vor dem Altar der beiden Göttinnen Demeter und Persephone in Eleusis, wo sie von argivischen Frauen umringt wird, deren Söhne vor den Toren der Stadt Theben gefallen sind. Ein Dekret Kreons untersagt es, die Toten zu bergen. Daraufhin schickt Aithra einen Boten zu ihrem Sohn, mit der Bitte, dieser möge sich nach Eleusis aufmachen.

Die alten Frauen flehen Aithra um Hilfe an, wobei sie auch an deren Mitgefühl als Mutter appellieren. In Eleusis eingetroffen, wird Theseus von seiner Mutter an König Adrastos von Argos verwiesen, der den Athener auf Knien darum ersucht, die Toten vor Theben von Kreon einzufordern, damit sie nicht unbestattet bleiben mögen. Theseus indes ist zunächst nicht gewillt, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen und einen Feldzug gegen Theben zu unternehmen, um die Fehler des Adrastos auszubügeln, denn dieser hatte den Entschluss zum Angriff auf Theben entgegen der Warnungen seines Sehers gefasst, gar dessen Spruch verhöhnt. Darauf werfen zunächst der Chor, dann Theseus’ Mutter alles in die Waagschale, um den Helden umzustimmen. So endet das erste Standlied des Chores mit folgenden pathetischen Versen:

Laß ohne Grab nicht den Tieren des kadmischen Bodens die Armen,

Schau auf die jungen Gestalten, die deinen Jahren gehörten!

Sieh uns am Boden und sieh uns die bitteren Tränen vergießen:

Höre das Flehen der Mütter und bringe die Kinder zu Grabe![15]



Doch noch immer sträubt sich Theseus gegen den Gedanken, zugunsten der Argiver in Theben zu intervenieren. Er herrscht seine Mutter an, diese möge kein fremdes Klagelied singen. Erst als sie ihm vorhält, er bedenke nicht der Götter Recht und sogar den Vorwurf der Feigheit in Aussicht stellt, ist der mythische Held Theseus umzustimmen. Theseus, dieser Athener par excellence, der nach mancher Tat »in Griechenland das Amt« erworben hatte, »[d]ie Frevler zu bestrafen«,[16] willigt nun mit folgenden Worten, die freilich einen anachronistischen Charakter haben,[17] ein:



Ich tus! Ich geh und lös die Toten aus

Mit guten Worten, sonst mit meinem Schwert

Und jeder Neid der Götter bleibt uns fern.

Doch brauch ich die Beschlüsse meiner Stadt.

Sie folgt ja meinem Sinn, doch schlägt ihr Herz

Viel wärmer, wenn man sie zu Rate zieht.

Denn diese Art von Herrschaft stellt ich auf.

Daß jeder mitbestimmt mit dem gleichen Stein.[18]



Etwas später im Stück trägt Theseus einem Boten auf, sich nach Theben zu begeben, um von Kreon die Herausgabe der Toten zu fordern, doch ein Herold aus Theben trifft just in diesem Moment in Athen ein. Es entspinnt zunächst ein Streitgespräch über die bessere Staatsform zwischen dem Thebaner und Theseus, da der Bote aus Theben eine recht abfällige Meinung von der Volksherrschaft hat. Was den eigentlichen Verhandlungsgegenstand, die im Kampf Gefallenen, anlangt, so insistiert Theseus darauf, die althergebrachten Bräuche der Hellenen durchzusetzen und die Toten zu bergen. Theseus ist fest entschlossen, das zu tun, was seiner Auffassung nach heilig und richtig ist. Er befiehlt seinem Heer, sich für den Zug nach Theben zu rüsten. Die Armee rückt ab.

Nachdem die Frauen auf eine friedliche Lösung des Konflikts gehofft und – falls dies nicht zu erreichen sei – für einen erfolgreichen Ausgang der Schlacht gebetet haben, erscheint ein Bote, der vom Sieg der Athener berichtet. Diese hätten unter Theseus Kommando die Thebaner zum Rückzug in die Stadt gezwungen, vor den Toren jedoch Halt gemacht. Nur um die Toten zu bergen, nicht um die Stadt zu erobern, seien sie nach Theben gezogen, habe Theseus seinen Männern gesagt. Der Bote berichtet außerdem, dass Theseus selbst die Toten gewaschen und für die Bestattung vorbereitet habe. Nachdem Theseus mit den Gefallenen zurückgekehrt ist, hält Adrastos eine feierliche Grabrede. Theseus gibt den Argivern zu verstehen, sie stünden in der Schuld Athens, doch der Göttin Athene ist das offensichtlich noch nicht genug. Sie erscheint plötzlich, um Theseus zu instruieren, einen auf alle Zeiten hin gültigen Nichtangriffsschwur von den Argivern zu verlangen. Den Söhnen der Gefallenen prophezeit sie, diese würden einst ihre Väter rächen und Theben erobern. Die letzten Verse des Chores und zugleich die letzten Zeilen des Dramas lauten:

Laßt uns ziehen, Adrast, und schwören den Eid

Diesem Mann und der Stadt.

Was sie uns getan,

Im Kampfe getan,

Bleibt ewig in Ehren

Bestehen![19]



Gewiss ist auf den vorangegangenen Seiten deutlich geworden, worauf August Wilhelm Schlegels Kritik in erster Linie abzielte, doch wollen wir uns an dieser Stelle mit einem literaturwissenschaftlichen Urteil zurückhalten. Uns geht es in dieser Untersuchung nur um die Frage, welche innere Einstellung Euripides wahrscheinlich zu militärischen Interventionen seiner Heimatstadt Athen hatte, wobei wir uns des spekulativen Charakters einer solchen Fragestellung vollkommen bewusst sind. Es lässt sich allerdings zweifelsohne konstatieren, dass der Protagonist des Stückes einer Intervention zugunsten einer anderen polis zunächst ablehnend gegenübersteht, im Laufe des Dramas jedoch eine entgegengesetzte Haltung einnimmt, die vom Chor, von seiner Mutter und von der Göttin Athene geteilt wird. Es wäre durchaus kaum nachvollziehbar, wollte man postulieren, Euripides sei zu diesem Zeitpunkt gegen militärische Interventionen Athens gewesen und habe den Chor, den Heros Theseus, dessen Mutter und die Stadtgöttin Athene eine irrige Meinung vertreten lassen.[20]


Die Sizilien-Debatte


Die Sizilienexpedition (415–413), welche für Athen in einer Katastrophe mündete, stellt zweifelsohne eine Zäsur während des Peloponnesischen Krieges dar. Dabei liegt diese militärisch-strategische Kulmination des Krieges am Ende eines auf 50 Jahre hin geschlossenen, indes nur etwa sechs Jahre währenden Friedens: des oben kurz skizzierten Nikias-Friedens. Die Rivalität des jungen, aufstrebenden und interventionsfreudigen Alkibiades und dem vorsichtigen, auf eine Einhaltung des Vertragsfriedens bedachten Nikias überschattete in dieser Zeit die athenische Innen- und Außenpolitik und spitzte sich in der Sizilien-Debatte zu einer generellen Frontstellung der beiden Politiker zu. Alkibiades riet zu dem Unternehmen, Nikias warnte seine Mitbürger eindringlich davor. Thukydides lässt in seinem Geschichtswerk die beiden Politiker ausgiebig zu Wort kommen, weshalb wir uns im Folgenden mit deren Argumenten auseinanderzusetzen vermögen, wobei uns besonders die Warnungen des Nikias interessieren.

Im Winter des Jahres 416/415 hatten die Egester Gesandte nach Athen geschickt, um die Stadt um militärischen Beistand gegen das benachbarte Selinus zu bitten, das seinerseits von Syrakus unterstützt wurde. Die Egester gemahnten die Athener an ein im früheren Krieg unter dem Feldherrn Laches geschlossenes Bündnis und baten sich Schiffe zur Verteidigung aus. Die Athener beschlossen, zunächst eine Gesandtschaft nach Egesta zu schicken, um die Liquidität der Stadt zu prüfen. Als diese Gesandten mit einigen Egestern und 60 Talenten ungemünzten Silbers im darauffolgenden Sommer nach Athen zurückkehrten, beschloss die Volksversammlung 60 Schiffe nach Sizilien zu senden. Zu Feldherren waren die Rivalen Alkibiades und Nikias gewählt worden.



Nikias

Da Nikias gegen seinen Wunsch in dieses Amt gewählt worden war, begann er seine Rede auf der vier Tage später zu Rüstungsfragen einberufenen Volksversammlung wie folgt: »Die heutige Versammlung wurde wegen unsrer Rüstungen einberufen, wie stark wir nach Sizilien auslaufen sollen; mir jedoch scheint, wir sollten die Sache selbst noch einmal prüfen, ob es wirklich gut ist, die Schiffe auszusenden, und sollten nicht so rasch entschlossen in so wichtigen Dingen auf den Rat von Fremdstämmigen einen Krieg, der uns nichts angeht, beginnen.«[21]

Nikias war also offensichtlich der Ansicht, dass Athen die Auseinandersetzung zwischen Egesta und Selinus nichts angehe und seine Heimatstadt sich auf den eigenen Machtbereich konzentrieren solle, statt nach einem neuen Reich zu greifen, »eh wir unser jetziges gefestigt haben, wenn doch die Chalkidier in Thrakien seit soviel Jahren abtrünnig und immer noch unbewältigt sind und manche andre an den Festlandsküsten nur zweifelhaft gehorchen. Und wir? Den Egestern, unsren lieben Verbündeten, die Unrecht leiden, eilen wir zu helfen, und den Abtrünnigen, von denen wir selbst schon so lange Unrecht leiden, zögern wir immer noch zu wehren[22]

Der erfahrene Politiker prophezeite auch, der Frieden mit Sparta und dessen Bündnern gehe einem Ende entgegen, sofern Athen irgendwo eine militärische Niederlage erlitte. Außerdem gab er zu bedenken, dass es Unsinn sei, solche anzugreifen, die man als Sieger nicht werde niederhalten können, denn »die Sizilier, selbst wenn wir sie besiegen, könnten wir, so weit weg und so viele, nur schwer beherrschen«.[23] Man fragt sich bei diesen Worten, ob es wahr ist, dass die US-Strategen so viel Thukydides lesen. Jedenfalls scheinen sie der Rede des Nikias nie besonders viel Beachtung geschenkt zu haben. Thukydides lässt Nikias gegen Ende seiner Rede auf die Grenzen zu sprechen kommen, welche die Einflusssphären der Sizilier und Athener seiner Auffassung nach weiterhin voneinander scheiden sollten: der Ionische und der Sizilische Golf. »Die Sizilier«, so Nikias, sollten als Herren im eigenen Land sich auch untereinander verständigen; und den Egestern insbesondere sagt, sie hätten ja auch ohne Athen ihren Krieg mit Selinus zuerst angefacht, sie sollten ihn auch für sich selber ausblasen. Und in Zukunft wollen wir keine solchen Bündnisse schließen, wie wir pflegen, wo wir Notleidende verteidigen müssen und, der Hilfe selbst bedürftig, keine finden.[24]

Alkibiades hob in seiner Antwort auf Nikias’ Einwände gegen die Sizilienexpedition in erster Linie die Verpflichtung den Verbündeten gegenüber hervor und verwies auf die traditionelle Rolle Athens als Beschützerin der Bittflehenden. Ein Schelm, wer dabei an die Rolle der Vereinigten Staaten als Verteidigerin der Freiheit und Beschützerin der Demokratie dächte. Des Weitern postulierte Alkibiades, es drohe den Athenern, selbst anderen zu dienen, wenn sie nicht andere beherrschten und in der Einsicht, dass man sich in Athen stärke, wenn man drüben angreife, wolle man die Fahrt unternehmen. Man fühlt sich unwillkürlich an die Worte des früheren Verteidigungsministers Peter Struck (SPD) erinnert, nach dem die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt werde.

Alkibiades gelang es, mit seiner Rede die Menge zu begeistern, und da die versammelten Bürger nach ihm noch die Egester und die Verbannten aus Leontinoi hörten, die »sie mit Anrufung der Eide anflehten, ihnen zu helfen, da waren sie noch viel mehr als vorher auf den Feldzug versessen«.[25] Nikias, der nun merkte, dass er seine Mitbürger mit Argumenten nicht mehr von ihrem Entschluss abbringen konnte, erreichte nur noch eine massive Aufstockung der Heeresmacht. Man intervenierte auf der Insel und die Expedition geriet für Athen zum Desaster. Genau in die Zeit der Sizilien-Debatte fällt aber ein weiteres Drama des Euripides: Die Troerinnen.


Die Troerinnen: Ein Kommentar zur Tagespolitik?


Auch die anlässlich der Großen Dionysien des Jahres 415 v. Chr. im Rahmen und als Abschluss einer Trilogie des Tragikers Euripides aufgeführten Troerinnen wurden von August Wilhelm Schlegel wenig wohlwollend rezipiert.[26]

Ort der Handlung ist das Lager der Griechen vor Troja, nachdem die Stadt infolge der wohl berühmtesten List der Weltliteratur in die Hände der Danaer gefallen ist. Mit ihr sind auch die ranghöchsten Troerinnen Eigentum der siegreichen Griechen geworden: Priamos’ Gattin Hekabe, die Seherin Kassandra, Hektors Frau Andromache und Helena, derentwegen jener lange Krieg geführt worden ist. Kassandra soll die heimliche Geliebte Agamemnons werden, was sie in Hochstimmung versetzt, denn sie sieht den Untergang des Atridengeschlechtes und die ihr darin zugedachte Rolle voraus.[27] Hekabe, die einstige Königin, wird künftig dem verschlagenen Odysseus als Sklavin dienen – man beachte die Fallhöhe! Helena schließlich, die treulose Gemahlin des Menelaos, soll in Sparta zur Genugtuung der Griechen hingerichtet werden. Als sie gegen das ihr zugedachte Schicksal protestiert, kommt es zum Wortgefecht zwischen ihr und Hekabe. An diesen Agon zwischen den beiden Frauen schließt sich die Exodos an, in welcher der Herold Talthybios den Leichnam des kleinen Sohnes der Andromache, den man auf Odysseus’ Rat hin zu Tode gestürzt hatte, zusammen mit Hektors Schild an die klagende Großmutter Hekabe übergibt. Für diese steht nun fest, dass die letzte Hoffnung einer neuen Blüte der Stadt dahin ist. Von Aeneas’ und Anchises’ Flucht und deren späteren Implikationen ahnt sie freilich nichts … Als Troja dann auch noch eingeäschert wird, ruft Hekabe aus: »Ich Ärmste! Das ist also das letzte und der Gipfel aller meiner Leiden nun: ich verlasse meine Heimat und meine Stadt wird angezündet«.[28]

Zwar möchte sich Hekabe in die Flammen der brennenden Stadt stürzen, doch wird sie zum Schiff des Odysseus gezerrt, dem sie als Sklavin dienen soll. Die Griechen, so möchte es die Göttin Athene, werden indes auf hoher See mit ihren Schiffen untergehen.[29] Kurt Steinmann nennt das Stück, das die »Verwerflichkeit des Krieges an seinen Folgen und Motiven« demonstriere, einen »Bilderbogen des Leids«.[30] Erst ein Jahr zuvor hatten die Athener die Insel Melos ohne jeden Rechtsgrund belagert, die Wehrfähigen nach Übergabe der Stadt getötet, die Frauen und Kinder versklavt und die Insel »mit 500 attischen Kolonisten neu besiedelt«.[31] Doch sind die Troerinnen wirklich als Antikriegsstück zu lesen? Kurt Steinmann ist dieser Auffassung und vermutet, Euripides habe mit seiner Tetralogie deshalb nur den zweiten Preis errungen. Allerdings spricht sich etwa Sophie Mills in einem Aufsatz gegen die frühere opinio communis, es handele sich bei den Troerinnen um ein Antikriegsstück, aus. Sie insistiert, dass Tragödien bestimmte Grundansichten nicht in Frage stellen, sondern allenfalls bestärken konnten.[32] Ihr Hauptargument ist, dass auch bei Euripides Kriegszüge der Athener stets in einem sehr positiven Licht erscheinen, während Kriege, die von anderen Städten geführt wurden, vom Dichter negativ charakterisiert würden. Darüber hinaus zeigten die Heerführer in den Troerinnen einen Mangel an Intelligenz und weiser Voraussicht, doch »generals who represent Athens in Euripides lack such deficiencies«.[33]


Eine neue Sicht auf Athens Außenpolitik?


Martin Hose sieht in der Trojanischen Trilogie eher »das Konzept einer tragischen Selbstzerstörung«,[34] die wissentlich erfolge – und zwar aus Mutterliebe.[35] Er konzediert jedoch, dass diese Deutung eine Hypothese bleiben müsse.[36] Mit Blick auf die Sizilienexpedition schreibt M. Hose, Euripides habe dem Archon lange vor den Auseinandersetzungen in der Volksversammlung seine Stücke vorlegen müssen.[37] Das ist zwar korrekt, aber da wir von Thukydides wissen, dass die Egester bereits im Winter 416/415 eine Delegation nach Athen geschickt hatten,[38] blieb für den Dichter noch genügend Zeit, einige Passagen umzuarbeiten und hier und dort etwas einzufügen. Es steht außerdem anzunehmen, die gegebenenfalls bevorstehende Sizilienexpedition sei in Athen seit dem Eintreffen jener ersten Gesandtschaft bis zur oben behandelten Debatte in der Volksversammlung, die ungefähr um die Zeit der Aufführung des Stückes stattfand, ein beliebtes Gesprächsthema gewesen. Es ist weiterhin davon auszugehen, dass Nikias mit seinen Ansichten zu Athens Außenpolitik nicht völlig isoliert gewesen ist. M. E. weist besonders jene Passage in den Troerinnen, in welcher Kassandra postuliert, die Griechen hätten das schwerere Los gezogen, darauf hin, dass Euripides zu diesem Zeitpunkt eher der Haltung des Nikias zuneigte und einer Intervention auf Sizilien kritisch gegenüberstand:


Ich werde euch zeigen, daß unsere Stadt glücklicher ist

als die Achäer; gottbegeistert zwar, will ich doch,

für die Zeit, die’s dazu braucht, aus meinem Wahne treten.

Diese haben um einer einzigen Frau, einer einzigen Leidenschaft willen,

Helena nachjagend, Unzählige in den Tod getrieben. […]

Als sie zu des Skamandros’ Ufer gekommen waren,

da starben sie – ohne daß Verlust des Grenzlands drohte

oder einer Stadt mit hohen Türmen; und die Ares hinraffte,

sahen ihre Kinder nicht, wurden nicht von den Händen der Gattin

ins Leichentuch gehüllt, nein, auf fremdem Boden

liegen sie. Bei ihnen zu Hause herrsche das gleiche Elend:

als Witwen starben die Frauen, kinderlos die Eltern in den Häusern,

die für andere ihre Kinder großgezogen; und an ihr Grab

wird keiner kommen, der ihnen zu Ehren Opferblut der Erde schenken wird.

Ja, dieses Lobes würdig ist ihr Heereszug.

Das Schändliche verschweig ich besser, und nie möge mir meine Muse

Sängerin der argen Taten sein!

Anders die Troer; erstens, ihr schönster Ruhm:

sie starben fürs Vaterland; und die der Speer hinraffte,

wurden als Leichen wenigstens nach Hause gebracht von Freunden,

und im Land der Väter umfing sie die Erde ihres Grabs,

nachdem pflichtgetreue Hände sie in Tücher eingehüllt;

die Phryger aber, die dem Schlachtentod entgingen,

wohnten Tag für Tag bei Frau und

Kindern, genossen Freuden, die den Achäern unbekannt.[39]



Die Athener würden auch auf Sizilien fallen, ohne dass ein »Verlust des Grenzlands« oder der Verlust „einer Stadt mit hohen Türmen« drohte. Und was das Beisetzen der Leichen anbelangt, so führe man sich den Arginusenprozess oder die oben behandelten Hiketiden des Euripides vor Augen, um einen Begriff davon zu erhalten, was den alten Griechen die entseelten Leiber ihrer Angehörigen waren. Kassandras Worte als Seherin, die alleine den weiteren Verlauf der griechischen Trojaexpedition kennt, wiegen also doppelt schwer.


Schlussbetrachtung


Wir haben in dieser Untersuchung danach gefragt, ob Euripides sich während der Zeit des Nikias-Friedens, genauer zwischen der Inszenierung seiner Hiketiden und der Aufführung der Trojanischen Trilogie, vom Befürworter athenischer Interventionen zu einem Parteigänger des Nikias wandelte, dessen Kurs als isolationistisch beschrieben werden könnte. Nikias war auf eine Konsolidierung des eigenen Machtbereiches und einen Ausgleich mit Sparta bedacht, während Alkibiades die Athener zur Expansion und Intervention anstachelte.

Was haben wir herausgefunden? Zunächst lässt sich feststellen, dass Theseus in den Hiketiden einer militärischen Einmischung zugunsten einer anderen polis anfangs ablehnend gegenübersteht, diese Haltung jedoch im Laufe des Stückes revidiert und zu einem Befürworter einer Intervention wird, dem »in Griechenland das Amt« zukomme, »[d]ie Frevler zu bestrafen«.[40] Diese Ansicht wird vom Chor, von Theseus’ Mutter Aithra, von König Adrastos und der Göttin Athene geteilt. M. E. lehnt man sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man davon ausgeht, auch Euripides selbst sei zu diesem Zeitpunkt der Ansicht gewesen, dass Theseus das Recht gehabt habe, überall einzugreifen. Und für wen oder was, wenn nicht für das zeitgenössische Athen, stand dieser »demokratische König«?

Ein ganz anderes Bild bietet sich uns in den 415 aufgeführten Troerinnen. Die siegreichen Griechen, die fern der Heimat einen Feldzug unternommen haben, um einen Frevel zu ahnden, werden auf der Rückfahrt aus Ilion vernichtet.[41] Werner Biehl vertritt in seinem Kommentar zu den Troerinnen die Ansicht, es könne kein Zweifel darüber bestehen, dass Euripides mit Leidenschaft Kriegsgegner gewesen sei.[42] Diese Aussage geht doch etwas zu weit, aber Biehl selbst relativiert ihren Gehalt wenige Zeilen später, indem er schreibt, Euripides habe ganz bewusst herausgestellt, »daß mit der Möglichkeit eines aufgezwungenen Krieges, eines Verteidigungskrieges also, grundsätzlich gerechnet werden« müsse,[43] und er habe im Falle des Misslingens für einen ruhmvollen Untergang plädiert.[44] Mir jedenfalls scheint Euripides seine grundsätzliche Haltung zu militärischen Interventionen geändert zu haben. Ausfluss dieser (neuen) Sichtweise des Dichters wäre dann vor allem die oben wiedergegebene Passage aus Kassandras Rede, die mit Blick auf die Sizilien-Debatte einige Wochen oder Monate vor Aufführung des Stückes eingefügt oder umgestaltet worden sein könnte.[45]

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[1] https://www.theguardian.com/world/2003/jan/24/germany.france.


[2] https://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/usa-rumsfeld-memoiren.


[3]https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1075721703421042688?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1075721703421042688&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.nytimes.com%2F2018%2F12%2F20%2Fus%2Fpolitics%2Ftrump-syria-withdrawal.html.


[4] https://www.youtube.com/watch?v=Cod0vnLxNAM.


[5] Vgl. Bernhard Zimmermann: Art. Euripides, DNP (1998), Bd. 4, Sp. 280.


[6] Siehe Mary Ellen Snodgrass: Cliff Notes on Greek Classics. New York 1998 , S. 147 f. – Das Todesjahr ist durch die erste Aufführung von Aristophanes’ Fröschen auf die Jahre 407/406 fixiert (vgl. Martin Hose: Euripides. Der Dichter der Leidenschaften. München 2008, S. 17).


[7] Hose, a.a.O., S. 17.


[8] Zimmermann, a.a.O., Sp. 285.


[9] Hose, a.a.O., S. 17.


[10] Einen Überblick über die Literatur zu dieser Frage gibt Neil T. Croally: Euripidean Polemic. The Trojan Women and the function of tragedy. Cambridge 1994, S. 17, Anm. 1.


[11] Bruno Bleckmann: Der Peloponnesische Krieg. München 22016, S. 67.


[12] Ebenda, S. 69.


[13] Zit. nach Hose, a.a.O., S. 79 und Günther Zuntz: Über Euripides’ Hiketiden, in: Museum Helveticum 12, 1 (1955), S. 20.


[14] Siehe Zuntz, a.a.O., S. 33.


[15] Euripides: Die bittflehenden Mütter, in: Euripides: Die bittflehenden Mütter. Der Wahnsinn des Herakles. Die Troerinnen. Elektra, griechisch und deutsch, übersetzt von E. Buschor, herausgegeben von G. A. Seeck (Euripides: Sämtliche Tragödien und Fragmente, Bd. 3), München 31972: Eur. Hik. 282–285.


[16] Eur. Hik. 339 f.


[17] Theseus wird hier von Euripides zum Begründer der Demokratie gemacht.


[18] Eur. Hik. 346–353.


[19] Eur. Hik. 1232–1234.


[20] Athen hatte – so der Mythos – nicht nur für die Bestattung der vor Theben Gefallenen gesorgt, sondern auch die Kinder des Herakles vor Königs Eurystheus in Schutz genommen und ihnen, die ebenfalls als Bittflehende gekommen waren, eine Rückkehr auf die Peloponnes ermöglicht. Diese mythischen Erzählungen gehörten fest zum Inventar der athenischen Memorialkultur und mussten mithin »von den staatlich bestellten Rednern der Leichenfeier für die im Krieg Gefallenen, die einmal im Jahr stattfand, abgehandelt werden« (Hose, a.a.O., S. 72). Und so hatte Euripides bereits vor den Hiketiden ein Drama über jene andere mythische Begebenheit, in der sich Athen durch Parteinahme ausgezeichnet hatte, auf die Bühne gebracht: die Herakliden. Martin Hose nimmt an, Euripides’ »patriotische Kriegsstücke« hätten bei ihrer Uraufführung in Athen einen starken Eindruck auf das Publikum gemacht (ebenda, S. 78).


[21] Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, 2. Teil: Buch V–VIII, griechisch und deutsch, übersetzt und herausgegeben von G. P. Landmann, Darmstadt 1993: Thuk. 6, 9, 1.


[22] Thuk. 6, 10, 5.


[23] Thuk. 6, 11, 1–2.


[24] Thuk. 6, 13, 1–2.


[25] Thuk. 6, 19, 1.


[26] Siehe Peter Burian: Trojan Women. Introduction, in: P. Burian/ A. Shapiro (Hrsg.): Greek Tragedy in New Translations. The Complete Euripides, Bd. 1, Trojan Women and Other Plays. New York 2010, S.153–157, hier S. 161.


[27] Im Stück selbst wird Kassandra nicht ernst genommen, doch »der athenische Zuschauer wußte, daß die Seherin die Vernichtung voraussagt« (Heinrich Kuch: Kriegsgefangenschaft und Sklaverei bei Euripides. Untersuchungen zur Andromache, zur Hekabe und zu den Troerinnen (Schriften zur Geschichte und Kultur der Antike 9). Berlin 1974, S. 69).


[28] Euripides: Die Troerinnen, griechisch und deutsch, übersetzt und herausgegeben von K. Steinmann. Stuttgart 1987 (Bibliographisch ergänzte Ausgabe 2016): Eur. Tro. 1272–1274.


[29] Eur. Tro. 75–85.


[30] Kurt Steinmann: Nachwort zu Euripides, Die Troerinnen, a.a.O., S. 165–207, hier S. 179. – Aikaterini Tsoka vertritt in ihrer Dissertation die Ansicht, es handele sich bei den Troerinnen nicht um eine Tragödie, welche das Leid Einzelner in den Fordergrund rücke; vielmehr sei das Drama als »Gefangenschaftsstück« aufzufassen, das »das schwere Los der Heimatlosigkeit und der Versklavung von unschuldigen Menschen zum Ausdruck« bringe (Aikaterini Tsoka: Politik und Drama in Griechenland und Rom: Zum politischen Hintergrund der Troerinnen von Euripides und Seneca, Dissertation Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2006, S. 165).


[31] Steinmann, a.a.O., S. 168.


[32] Vgl. Sophie Mills: Affirming Athenian action: Euripides’ portrayal of military activity and the limits of tragic instruction, in: D. M. Pritchard (Hrsg.): War, Democracy and Culture in Classical Athens. Cambridge/ New York 2010, S. 163–183, hier S. 165; siehe auch ebenda S. 177, S. 180 und S. 183.


[33] Ebenda, S. 171.


[34] Hose, a.a.O., S. 136.


[35] Siehe ebenda, S. 124. – So habe bereits Elektra eine Selbstzerstörung aus Hass und Verblendung bewirkt, der Herakles eine ebensolche infolge von Wahnsinn.


[36] Siehe ebenda, S. 136.


[37] Siehe ebenda, S. 122.


[38] Thuk. 6, 6, 1 f.


[39] Eur. Tro. 365–393.


[40] Eur. Hik. 339 f.


[41] Eur. Tro. 78–86.


[42] Werner Biehl: Evripides Troades. Heidelberg 1989, S. 123.


[43] Ebenda, S. 123 f.


[44] Siehe ebenda, S. 124; siehe auch Eur. Tro. 401 f.


[45] Euripides könnte damit auch die Meinung des Publikums beeinflusst haben wollen, denn laut David Konstan ist es wahrscheinlich, »that any particular military operation was subject to open debate, not only in the assembly and the law courts, but also in a public forum like the theater […]« (David Konstan: Ridiculing a popular war: old comedy and militarism in classical Athens, in: D. M. Pritchard (Hrsg.): War, Democracy and Culture in Classical Athens. Cambridge/ New York 2010, S. 184–199, hier S. 184).


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Der Autor ist Student und schreibt unter dem ›nom de plume‹ Alan McMillan.

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