Bernd Martin: THINK BEFORE BASHING

Längst ist Limburg nicht mehr das idyllisch umfriedete Städtchen des Merian-Stichs aus der Topographia Hassiae. Und auch der Zwist um Bischof Tebartz-van Elst, obwohl noch kein ganzes Jahrsiebent alt, wirkt aus heutiger Sicht wie (politik-)fernes, unschuldiges Biedermeier-Geschehen: Der Pfaffe als Übel. Vor einigen Wochen ist an seine Stelle der Axtmörder getreten und Bernd Martin, der im aktuellen Herbstheft über die 'Pädagogik des Zerfalls' schreibt, fragt sich bei der Rückkehr in die ihm vertraute Provinzstadt, mit welchen Augen er mittlerweile auf sie blickt.



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Ich weile gerade in Limburg, meiner Heimat. Ja, das Limburg an der Lahn eines weithin (von der A 3) sichtbaren Doms, dessen Bild den alten Tausender zierte, dessen Bischof Tebartz van Elst für sein verschwenderisches Bad berüchtigt und dessen, etwas „profilastiger“ Flohmarkt sowie Weinfest zwischen den alten Fachwerkhäusern so etwas wie berühmt sind. Ich bin, ca. 2 Wochen nach dem Lkw-Attentat und einen Tag nach dem Niedermetzeln einer Mutter zweier Kinder durch ihren „deutschen Mann“, nicht etwa deshalb in LM. Meine Eltern und zum Teil Geschwister leben hier oder in der Nähe dieser Provinzstadt, die ganz „nett“ ist. Dort, wo einer meiner Brüder einst wohnte, hat gestern ein „psychisch gestörter Einzeltäter“, so hört sich das ja an, als sei das nicht selbsterklärend, dass ein psychisch Gesunder fern davon ist, seine Frau zermatscht und zwei nun elternlose Kinder hinterlassen. So weit, so uninteressant. Also was soll das Ganze?

Aus der lex limburg, das ist Anlass für diesen Text, kann (vielleicht muss) man zwei Lehren ziehen, wobei die eine die andere nicht zwingend ausschließt. Man hört ein ums andere Mal die in der Öffentlichkeit kolportierte Ansicht, dass Männergewalt allgegenwärtig ist, besonders den „deutschen Mann“ als Täter offenbart, wobei der Migrant als Objekt der Ablenkung vorgeschoben werde. Das heißt: „Im Westen nichts Neues“. Erstens kann man daraus schlussfolgern, dass der seit ca. 50 Jahren obwaltende, sich im wahrsten Sinne diverseste Gestalten gebende Feminismus so bald als möglich verboten und bis zu diesem Verbot verfassungsrechtlich überwacht werden muss. Denn seine Entartungen respektive die Entwicklung zu seiner grausamsten Vollform, die immer virulenteren Folgen, lassen kaum Zweifel daran, dass sich mit Beginn „emanzipatorischen“ Wirkens – so ja auch der Tenor der selbsternannten „Feminist*innen“ – (…) die Gewalt gegen Frauen durch „Deutsche“ brutalisiert hat. Das ist natürlich nicht nur höchst beunruhigend, sondern auch links-rot-grün erklärbar.


Denn wenn, wie Claudia Roth insinuiert, zurückgewiesene oder „nicht rangelassene“ Migrantenmänner bzw. deren Frustration der Anlass von taharrush gamae – die sexuelle „Gruppenbelästigung“, der Missbrauch gegen „Deutschenschlampen“ (also Unverschleierte) bis hin zur „Rudelvergewaltigung“ – ist, dann kann man sich ausmalen, was so ein sowieso und per Natur schon hypergewalttätiger „deutscher Mann“ (…) anrichtet, wenn gerade ihm das passiert. Also (…) ein Verbot des Feminismus und sofortige Überwachung feministischer Umtriebe entspannte die Lage (bei der AfD soll das ja auch funktionieren!).

Die andere Folgerung bzw. Lehre könnte sein, dass es „deutsche Männer“ und deutsche Männer gibt, oder anders gesagt: Erziehungs- und Sozialisationsmilieus, die mit den Menschen-, Frauen- und Kinderrechten, also dem Kern aufgeklärter Gesellschaften nicht kompatibel sind (dafür mit der Scharia und die durch sie nicht beschränkte Wahl der Disziplinierungsmittel). Und zwar gilt die Inkompatibilität umso mehr, als die Wohlmeinenden ihren Objekten mit Gender und sonstwelchen faktenfreien und in alle Richtungen wendbaren Sprachakrobatiken entgegen zu kommen suchen. Die dadurch ausgelöste Verunsicherung nutzen die „deutschen Täter“ zwar aus, um ggf.„Diskriminierung“, also ihren Opferstatus zu reklamieren, aber ansonsten amüsieren sie sich höchst köstlich über die „eierlosen“ Eingeborenen. Die Kinderrechte habe ich übrigens erwähnt, weil ja kaum jemand darüber schreibt oder nachdenkt, was der moslemische Erziehungshintergrund sein muss, wenn nicht nur Kindertod bei Lkw-Angriff, sondern auch die vollständige Elternlosigkeit bei Tötung der Ehefrau in Kauf genommen wird. Empathie, so muss man denken, geht anders, von Kinderliebe wollen wir gar nicht mehr reden. Aber: irgendwie schon bereichernd, oder?

Nun bin ich mir natürlich darüber im Klaren, dass ein dead white old man meines Kalibers einfach mit dem vorgenannten Status weggebügelt werden kann, ohne auf Argumente zu achten. „Bremsstreifenhosenträger“, so die Meinung der migrantischen Radikal-Diversen von eigenen Gnaden, Hengameh Yaghoobifarah, die sich fälschlicherweise für eine Journalistin (statt Teil einer Journaille) hält, sind sowieso Rassisten (weiß, alt, kein bißchen „Trans“, notgeil usw.), also damit rechts, ergo natürlich rechts-radikal, in summa eben „Nazi“.

Moderatere werden diesen Text als „Meinung“ abtun, und die kann ja jeder… Ganz nach dem Kommunikationsdiktum Habermas' auf „die Kraft des besseren Arguments“ setzend. Entschuldigt, auf diesen Zug springe ich nicht auf, da gibt es schon bücherweise Kritik dazu.

Aber hier dennoch meine Meinung zur Frage: Was bleibt? Wer könnte dazu mehr als ein paar „Ecksteine“ setzen? Bleiben bzw. wiederauferstehen muss ein abendländisch-aufgeklärtes wehrhaftes Christentum. Hier gibt kein Prä- und kein Suffix, jedes Wort zählt: Abendland und Aufklärung, Wehrhaftigkeit – Christentum. Punkt. Und wer sich besonders über Letzteres empört, hat nicht verstanden, kann das aber nachholen.




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Über den Autor:


Bernd Martin, geb. 1958; Ausbildung und Berufstätigkeit als Polizeibeamter von 1974 bis 1979.

Im politischen Klima des »Deutschen Herbsts« sowie im Spannungsfeld zwischen privater Jugend-, »Feier«- und linker Szene gekündigt. Umschulung zum Erzieher, später Studium des Sozialwesens. Politische Entwicklung zur extremen Linken. Berufliches Wirken im Elementar-, später Heimbereich. (Gewalt-)Präventionsarbeit mit delinquenten und straffälligen Jugendlichen/Heranwachsenden. Abwendung von der Linken nach deren Aufkündigung der Israelsolidarität. Zweitstudium der Diplompädagogik, Promotion 2013 zum Dr. phil. mit allgemein handlungstheoretischem und besonderem Schwerpunkt auf den »islamischen Absolutismus«.

Seit 2009 Praxis- und Ethiklehrkraft in der Erzieherausbildung.



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