Thomas Hartung: "BUCHWART*IN ZUM BEISPIEL"

Die Stiftung Lesen präsentiert eine Empfehlungsliste von „Büchern gegen Rassismus“. Das ist fürsorglicher Totalitarismus im Dienst linker Ideologie.


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Die Empörung war erwartbar – weniger allerdings, dass sie zuerst aus dem eigenen Lager kam. „Liebe Parteifreunde in Chemnitz, habt Ihr eigentlich noch alle Gurken im Glas??? Wenn Ihr Euch so für die Ansichten der #noAfD erwärmt, dann wechselt auch gefälligst dorthin! Ich schäme mich, dass so etwas im Namen der Union publiziert wird“ twitterte Mitte Juli Andreas Bringmann, Ex-Pressesprecher der CDU Baden-Württemberg, an die Adresse der JU Chemnitz. Die wiederum hatte die vielen jüngeren Rassismus-Hysterien plakativ in einen Tweet mit einem nachdenklichen weißen Jungen verpackt, der fragt: „Mama, macht mich meine weiße Hautfarbe böse?“, und mit „Gegen identitätspolitischen Unsinn von links“ kommentiert.


„Geht es noch armseliger? Wenn das die Zukunft der deutschen Konservativen ist, dann gute Nacht!“, kommentiert prompt SPD-Pöbler Ralf Stegner. Der Grünen-Politiker Valentin Kurt Uhleman will in dem Tweet gar „strukturellen Rassismus“ entdeckt haben - wo genau, lässt er offen. „Ganze Themengebiete können somit zum verseuchten Gebiet erklärt werden, in das man sich weder rhetorisch noch gedanklich hineinwagen sollte, weil das rechte Gedankengut sofort den eigenen Verstand infizieren könnte“, erbost sich Judith Sevinç Basad im Cicero und fragt völlig zu Recht: „Wie soll man das Böse als das Böse erkennen, wenn allein der Gedanke daran verboten wird?“ So hat die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung, relativ unbeachtet, auf Instagram eine Liste mit Wörtern veröffentlicht, die man besser nicht sagen sollte, weil sie häufig von „Rechtsextremen“ verwendet würden. Darunter war nicht nur das Wort „Gutmensch“, sondern auch das Wort „Facharbeiter“, mit dem Rechtsextreme angeblich Flüchtlinge abwerten.


Die Bezeichnung, die in den heutigen Ausbildungsberufen in Deutschland nicht mehr vorkommt und stattdessen durch den Begriff „Fachkraft“ ersetzt wurde, war in der DDR die Standard-Ausbildungsform in einer Vielzahl staatlich anerkannter Ausbildungsberufe Facharbeiter, zumal solcher mit Abitur – bis zur Jahrtausendwende erhielten Auszubildende technischer und gewerblicher Berufe nach bestandener Abschlussprüfung als Abschlussurkunde einen Facharbeiterbrief. Offenkundig war der Osten vom SED-Politbüro bis hinunter zum letzten Bürger ein Hort des Rechtsextremismus.



„jeder ist anders“


Wer jetzt meint, dass das ein Witz sei, hat noch nicht die jüngste Empfehlung der „Stiftung Lesen“ gesehen. Neben Listen zu „Streit und Versöhnung“, „Sport und Bewegung“ oder „Vom Kranksein und Gesundwerden“ wurden nun eine mit „Büchern gegen Rassismus“ veröffentlicht, der zugetraut wird, Kindern einen vorurteilsfreien Umgang mit ihresgleichen anderer Hautfarbe nahezulegen. Das Spektrum reicht von Bilderbüchern über die amerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks („ab ca. 4 Jahren“), die 1955 in Alabama ob der Weigerung, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen, festgenommen worden war, über Texte, die Sechsjährige dazu bringen sollen, „Stellung zu beziehen“ und „Verantwortung zu übernehmen“, bis zu Romanen über Jugendbanden, in denen „ausgegrenzt“ wird. „Natürlich mit klar erkennbarer Botschaft“, lobt die Stiftung, die dabei auf völlig unbekannte Autoren setzt.


Worum es geht, beschreibt Projektleiterin Christine Kranz dezidiert so: „Bereits ab dem Kita-Alter und später auch in der Schule machen Kinder und Jugendliche Erfahrungen mit Rassismus, weil sie aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Sprache ausgegrenzt und abgelehnt werden. Bücher können helfen, diese Probleme bewusst zu machen.“  Mit farbenfrohen Illustrationen und starken Botschaften würden Bücher dazu einladen, „Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen, aber auch Stellung zu beziehen, sich etwas zu trauen und Verantwortung zu übernehmen“, genauso, wie Geschichten über starke Persönlichkeiten „inspirierten“.


Dass der Stiftung, die unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Bundespräsidenten steht, offenbar verdächtig vorkommt, dass viele der schönsten Kinderbücher ein unkompliziertes Verhältnis zur Moral haben, kommt sogar der FAZ verdächtig vor. Herausgeber Jürgen Kaube erkennt, dass es der Mitteilung klar erkennbarer Botschaften für eine Welt, in der Ideale auf abweichende Wirklichkeiten treffen, erhebliche erzählerische Lasten aufbürdet: „Denn weder darf das Anderssein verfestigt werden (Exotismus), noch darf es insbesondere in der Dimension sozialer Ungleichheit geleugnet werden (erschwindelte Versöhnung). Zu trennen sind außerdem gutes, schlechtes, nur scheinbares, folgenreiches und -loses, selbst- und fremdzugeschriebenes Anderssein. Dieselbe Vielfalt dann noch einmal beim Gleichsein.“


Natürlich kann die Botschaft gar nicht klar genug sein, sofern man weiß, was „richtig“ ist. Doch manche der empfohlenen Bücher legen nahe, dass die Sache so einfach nicht sein kann. „Ich bin anders als du – ich bin wie du“ hätte auch Shatterhand zu Winnetou sagen können (aber nicht zu Cornel Brinkley), Tom Sawyer zu Huck und Jim (aber nicht zu Indianer-Joe), oder Pippi zu Annika (aber nicht zu Prusseliese): „Denn es ist die allgemeine Formel für den modernen Individualismus“, befindet Kaube. „Erstens gerade im Anderssein gleich zu sein; jeder ist anders. Und zweitens nicht auf ein bestimmtes Anderssein mittels Kurzschlüssen aufgrund schlichter Merkmale festgelegt werden zu wollen.“ Denn wenn in Jugendromanen die Tatsache, dass Rassismus immer böse ist, zur Erzählkonsequenz führte, dass seine Opfer immer gute Menschen sind, wären sie weder intentional noch poetisch überzeugend.



„So richtig doppelplusgut“


Entsprechend harsch fielen die Kommentare in den sozialen Medien aus. „Kinder besitzen im Alter von sechs Jahren noch gar nicht die Reife, um ‚Stellung zu beziehen‘ und ‚Verantwortung zu übernehmen‘. In diesem Alter beginnen sie erst, das Lesen zu erlernen“, mokiert sich einer, „Für mich liest sich das verdächtig danach, schon Kinder zu kleinen Aktivisten zu machen, was mir nicht besonders sympathisch ist“, ein anderer. Ein dritter fühlt sich, zu Recht, an die DDR erinnert: „6-jährige Kinder sollen Stellung beziehen und Verantwortung übernehmen? Das klingt wie früher, als man kleine Kinder fragte, ob sie später mal Offizier bei der NVA werden wollen.“ „So richtig doppelplusgut“, fasst ein vierter seine Bewertung orwellesk zusammen, ein fünfter erkennt gar den „literarischen Ableger der deutschen Umwelthilfe“.


Andere wurden noch drastischer. „Wenn die ‚Stiftung Lesen‘ erzieherisch Kinder und Erwachsene in eine bestimmte Richtung lenken will, dann spielt sie, wenn auch ungewollt, Reichsschrifttumskammer“, so ein sechster. Ein siebter haut zynisch in dieselbe Kerbe: „Den Struwwelpeter habe ich mit einem blickdichten Schutzumschlag versehen. Ja, so bekommen harmlose Begriffe wie der Schutzumschlag eine ganz neue und brisante Bedeutung. Neue Bedeutungen und Ausdeutungen können aber auch neue Berufe und Berufungen schaffen. Buchwart*in zum Beispiel.“


„Entweder schreibt man eine gute Geschichte oder eine politische Predigt“, meint ein achter. „Am besten, es werden nur noch die Kinderbücher von Robert Habeck gekauft. Dann hätte der sein Auskommen und bräuchte nicht in der Politik zu dilettieren“, ätzt ein neunter. „Es gibt kein Buch/Film/Serie, wo sich nicht irgendjemand angegriffen fühlen kann“, schwäbelt ein zehnter und gibt damit erstmals eine abstraktere politische Richtung vor. Ein elfter verweist auf eine sehr ähnliche Richtung mit dem bemerkenswerten Satz: „Es gibt keine Rassen, dafür immer mehr Antirassisten, die der weißen Rasse angehören.“


Denn hier scheint nach den jüngsten Diskussionen der Hase im Pfeffer zu liegen. Einerseits plädieren die Altparteien mit den Grünen an der Spitze dafür, den Rassebegriff aus dem Grundgesetz zu tilgen – andererseits aber den Straftatbestand des Rassismus beizubehalten. Nun zeigt sich erstmals, wie das zusammengehen kann: Jedwede Benachteiligung wird infolge fehlender Rassedefinition als rassistisch geißelt und so mit einem Totschlagargument belegt. Die moralische Argumentation steht dabei seit dem Schockherbst 2015 fest: jeder Unterschied wird zur Ungleichheit und jede Ungleichheit zur Ungerechtigkeit. Damit sind jedweden Gleichheitsphantasien Tür und Tor geöffnet. Wer will da noch ernsthaft Unterschiede einerlei welcher Couleur diskutieren?


Bereits Anfang September 1995 beschrieb Eckardt Fuhr in der FAZ in seiner Rezension eines US-Sachbuchs zur Political Correctness PC das Umsichgreifen totalitaristischer Tendenzen. Da werden nicht nur typische Methoden genannt wie das Setzen von Tabus, die denunziatorische „Entlarvung“, Ausgrenzung und Hetzjagden, da überkommt den Autor „eine gewisse Beklemmung“, wenn einem vorgeführt wird, nach welch „dumpf-dummen Mustern“ diese Methoden gestrickt sind: „Es kommen Zweifel auf an der demokratischen Qualität der Mediendemokratie. Ist sie nicht schon auf dem Weg in einen fürsorglichen Totalitarismus?“ Die Fürsorge ist 25 Jahre später einer Allsorge im Dienst linker Ideologie und damit Bevormundung gewichen.



„Dichter von etwas“


Gleich zwei meinungstödliche Folgen dieser nivellierenden Bevormundung liegen auf der Hand. Die erste, kurzzeitig wirkende ist die – offenbar gewollte – Reziprokisierung der Absicht vom Schrankenabbau hin zum Barriereaufbau, wie eine Kommentatorin mutmaßt „Ein Bilderbuch für Kinder ab 4, dass sich mit Rosa Parks beschäftigt, die im Bus nicht aufsteht, ist vielleicht für Erwachsene interessant. Da meine Kinder in einem bunten Kindergarten gingen, haben sie mit 4 das Problem nicht mal im Ansatz erfasst. Sie haben nämlich einfach gar keinen Unterschied gesehen. Vielleicht schafft das Vorlesen solcher Bücher eher Schranken als die Beseitigung der Barrieren“. Damit werden im Dienste des Abbaus von Grenzen ebensolche errichtet.


Die andere, subtilere und daher langzeitwirkende ist die literarische Funktionalisierung vom Texten an sich zum Texten für sich. Sergei Jessenin hat einmal gemeint: „Majakowski ist Dichter für etwas. Ich bin Dichter von etwas“. Damit ist alles Wesentliche gesagt. Wenn Kunst allgemein, hier im Besonderen das Kinderbuch, zur Fortsetzung der Moralpolitik mit ästhetischen Mitteln wird, taugt das nichts. Es ist Betrug am Kind. Dass Jessenin unter Stalin 1925 Selbstmord beging, sei hier nur erwähnt.


Die Liste ist die logische Konsequenz einer kinderliterarischen Publikationspraxis, die seit 2015 unter Oberbegriffen wie „Weltoffenheit“, „Vielfalt“ oder „Rettung/Hilfe“ nicht nur Flüchtlinge und deren Flucht- oder besser Asylgründe vereinheitlicht, sondern auch sämtliche physiologischen, kulturellen oder sozialen Unterschiede. Das ist aus mehreren Gründen zu problematisieren. Der relevanteste und aktuellste ist die Verstärkung kognitiver Dissonanzen: den literarischen Erfahrungen vom armen, traumatisierten Flüchtlingskind oder -Jugendlichen als Kümmerfaktor stehen die realen Erfahrungen von zunehmendem Mobbing, ja Schulgewalt durch eben diese bis hin zur mitternächtlichen Feier- und Eventszene etwa in Stuttgart oder Frankfurt gegenüber.


Allein in Sachsen, wo es keine Mobbing-Definition gibt (ein entsprechender AfD-Antrag wurde einstimmig abgelehnt) und darunter stattdessen Delikte wie Bedrohung (§ 241 StGB), Beleidigung (§ 185 StGB), üble Nachrede (§ 186 StGB), Verleumdung (§ 187 StGB) oder Körperverletzung (§ 223 StGB) subsummiert werden, gab es nur 2017 laut Antwort auf eine Grünen-Anfrage insgesamt 4 570 solcher Straftaten mit Opfern unter 18 Jahren. Eine Einzelfallprüfung etwa nach Delikt und Täter, mit der, selbst wenn sie auf 30 Minuten beschränkt bliebe, bei einer 40-Stunden-Woche ein Sachbearbeiter über 57 Wochen befasst wäre, lehnte die Staatsregierung unter Verweis auf die Gewährleistung der Funktionsfähigkeit der Polizeibehörden ab.


Die mediale Thematisierung bundesweiter Gewalttaten durch Flüchtlinge ist da noch gar nicht berücksichtigt. Allein 2018 wurden insgesamt 265.930 Straftaten registriert, bei denen Asylbewerber, Geduldete oder Personen, die sich unerlaubt in Deutschland aufhalten, als Tatverdächtige ermittelt wurden, ergab eine AfD-Bundestagsanfrage. Davon 98-mal Mord, 261-mal Totschlag, 1082-mal Vergewaltigungen und sexuelle Nötigung/Übergriffe, inklusive 153 Versuche, diese Straftaten auszuführen, 3477-mal räuberische Erpressung und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer sowie 16.929-mal gefährliche und schwere Körperverletzung. Bei diesen Zahlen sind ausländerrechtliche Verstöße wie illegale Einreisen nicht berücksichtigt. Die Länderrangliste der Herkunft der Tatverdächtigen wird angeführt von Syrien (25.328), gefolgt von Afghanistan (16.687) und dem Irak (10.225). Die Morde an Maria, Mia oder Susanna waren die traurigen Höhepunkte.



„städtische Stressgruppen“


Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass Ende Juli der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), dessen Kollege aus Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold (CDU), sowie Matthias Klopfer (SPD) aus Schorndorf bei Stuttgart in einem Brandbrief an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU) „große Sorge“ über „die zunehmende Aggressivität und Respektlosigkeit von Gruppen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unseren Städten“ artikulierten. Eine ideologisch motivierte Fixierung auf Gruppenmerkmale helfe genauso wenig wie das Ausblenden der kulturellen und sozialen Herkunft solcher „städtischen Stressgruppen“, hießt es darin. Hier nehmen die drei Bürgermeister explizit auch junge Flüchtlinge in den Fokus und verweisen darauf, dass neun der in Stuttgart festgenommenen Randalierer einen „Flüchtlingsbezug“ hätten. Schon in den vergangenen Jahren sei für sie erkennbar gewesen, dass es unter den Flüchtlingen „eine kleine Gruppe gewaltbereiter junger Männer“ gebe. Diese übten „eine starke Dominanz“ im öffentlichen Raum aus und seien „weit überdurchschnittlich“ an Straftaten beteiligt.


Ein zweiter Grund, die Publikationspraxis und erst recht die ominöse Liste zu problematisieren, ist der naheliegende Schluss einer tagespolitisch konfektionierten Literatur, die bestehende, überdies falsche Narrative legitimiert – in der DDR-Forschung nannte man das „weltanschauliche Funktion“ von Literatur, vielleicht sollte man den Begriff reanimieren. Viele dieser Texte lassen überdies ästhetisch zu wünschen übrig: zeichnen sich Kinderbücher aus dem skandinavischen und englischen Raum oft dadurch aus, Unterhaltung ernst zu nehmen und Ernsthaftes unterhaltsam zu machen, kommt hier das Ernsthafte meist auch (zu) ernst daher.


Damit verbunden ist die Eindimensionalität, ja platte Oberflächlichkeit von Welt und Charakteren: Verfremdet wird selten, zur Vorsicht gemahnt oder gar gewarnt kaum. Die Literaturwissenschaft nennt das „unzuverlässiges Erzählverhalten“, damit wird die Potenz von Literatur, nicht nur schwarz-weiß, sondern alle Farben und Nuancen wahrzunehmen, ins Gegenteil verkehrt. In der DDR-Kinderliteratur waren die erfolgreichsten Bücher jene, in denen ebenso konservativ wie zuverlässig das dramaturgische Prinzip der Heldenreise mit erfolgreicher Rückkehr im Alltag gestaltet wurde, etwa Benno Pludras „Bootsmann auf der Scholle“, Gerhard Holtz-Baumerts „Alfons Zitterbacke“ oder Bernd Wolffs „Alwin auf der Landstraße“; die allesamt auch verfilmt wurden.


Wie jede Literatur bietet auch Kinderliteratur, die sich spätestens seit der Wiedervereinigung von einer Sozialisations- zu einer kindgemäßen Literatur wandelte, „einen Anlass über die Welt und sich selbst nachzudenken, die Welt als Entwurf zu verstehen. Auf Ideen zu kommen, wie man auch denken oder fühlen kann“, meint die Frankfurter Literaturdidaktikerin Helene Becker in der Welt. Die Vereinseitigung dieser Perspektive erzeugt aber Entwürfe, die zu gleichem Denken führen. Das kann nicht im Sinne von Demokratie sein. Fuhr hatte sich einst gefreut, dass das Erscheinen des Buches dazu beitragen wird, „dass demokratischer Widerspruchsgeist, Streitlust und der Anspruch auf intellektuelle Redlichkeit immer wieder gegen den Konformitätswahn der politisch Korrekten ins Feld geführt werden.“ Denn nach jedem Erfolg der Political Correctness, „nach jeder dieser Hetzjagden - man denke an Jenninger, man denke an Heitmann - sieht sie etwas jämmerlicher aus. Ihr politischer Kanon versteht sich nicht mehr ‚von selbst‘“. Wozu dieser Idealismus inzwischen mutiert ist, lässt sich perfekt an der Reaktion der JU Chemnitz ablesen. Denn natürlich dauerte es nicht lange, bis sie den Rückwärtsgang einlegte und ihren Post – dem Druck nachgebend – mit der Entschuldigung löschte: „Wir haben einen großen Fehler gemacht.“ Eine weitere Hetzjagd also, die leider erfolgreich war.




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Über den Autor:

Thomas Hartung, geb. 1962 in Erfurt; promovierte nach seinem Lehramtsstudium in Magdeburg 1992 zur deutschen Gegenwartsliteratur und war danach als Radio- und Fernseh-Journalist in Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie als freiberuflicher Dozent für Medienproduktion und Medienwissenschaft an vielen Hochschulen Deutschlands tätig; der bekennende „Erzliberalkonservative“ trat als Student in die LDPD ein und 1990 aus der FDP aus: von „misslungener Einheit“ nicht nur mit Blick auf die Parteienfusion spricht er bis heute; Hartung war im April 2013 Mitbegründer der AfD Sachsen und wurde zweimal zum Landesvize gewählt. Als Presse- und PR-Chef verantwortete er alle Publikate von der Pressemitteilung bis zum Fernsehspot und damit auch maßgeblich den Landtags- und vor allem den Bundestagseinzug des Landesverbands als stärkste Kraft vor der CDU. 


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