Thomas Hartung: SPRACHLICHE ENTPIGMENTIERUNG

Aktualisiert: 13. Dez 2019

„Neger“, „Zigeuner“, jetzt „Mohr“ - in Bayern geht es „rassistischen Unworten“ verstärkt an den Kragen: Aktivisten wollen das Augsburger Hotel „Drei Mohren“ umtaufen - in „Drei Möhren.“ Trotz Schweigespirale beginnt jedoch selbst die öffentliche und veröffentlichte Meinung, wie Thomas Hartung in seiner aktuellen Kolumne referiert, unter dem Eindruck deutlicher Umfrage-Ergebnisse zu kippen: in Richtung eines unbefangenen Sprachgebrauchs und seiner Verteidigung oder Rückgewinnung.



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Ein König wird abgesetzt, eine krächzende Karotte, eben der Ackerfurche entschlüpft, erobert unter Mithilfe von Radieschen, Lauch, Rote Beete und Kohlrabis die Welt - so lässt sich die ebenso selten gespielte wie überladene Opera buffa „Der Karottenkönig“ von Jacques Offenbach zusammenfassen, übrigens eine Satire auf Napoleon III., den Neffen des 'korsischen Kometen'. Der Stoff könnte fast als Vorbild gelten für die Augsburger Jugendgruppe von Amnesty International. Die hat in einer Petition die Umbenennung des Hotels „Drei Mohren“ verlangt – in „Drei Möhren“ mit entsprechendem Logo, hilfsweise die Beschränkung auf den Namen „Steigenberger“. Nicht ganz unproblematisch, denn Möhren sind nur die Kurzform von Mohrrüben, aber sei's drum. Die Jugendgruppe will so den deutschen Kolonialismus aufarbeiten, „der bis heute seine Spuren in unserer Sprache und Vorstellungswelten hinterlassen hat und sich in Form von Alltagsrassismus und institutioneller Diskriminierung negativ auf unser Zusammenleben auswirkt.“ Das sehen bislang rund 1.100 Unterstützer auch so – bei 295.000 Augsburger Einwohnern.


Das Wort „Mohr“ habe seinen Ursprung in der kolonialen Vergangenheit Deutschlands und sei im Laufe der Geschichte zur „Abwertung und Herabstufung Schwarzer Menschen“ verwendet worden: als „rassistischer Begriff, der sich auf koloniales Gedankengut stützt“. Ergo degradiere und diskriminiere er „schwarze Mitbürger*innen in Augsburg“. Diesem linguistischen Unsinn wird auch noch ein wenig Betroffenheitspathos hinzugefügt:


„Wir, als junge engagierte Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Herkünfte, finden es schockierend, dass solche Bezeichnungen in der heutigen Zeit weiterhin Verwendung finden. Bei jedem Vorübergehen erinnert uns der Name des Hotels an die lange Geschichte kolonialer Ausbeutung sowie an (eigene) rassistische Diskriminierungserfahrungen, die auch heute noch Alltag vieler Menschen in Deutschland sind.“

Um der Petition Nachdruck zu verleihen, protestierten die jungen Leute schon mal im Augsburger Stadtgebiet - als Karotten verkleidet.


Das ist kein Witz – obwohl manche Kommentatoren die Petition so auffassten. Da Mauretanien wie Mohr auf das lateinische „maurus“ (Maure; Bewohner der nordafrikanischen Provinz Mauretanien; Nordwestafrikaner) zurückgeht, sollte das Land auch dringend in Möhretanien umbenannt werden, ergötzte sich einer. Ernsthaftere vermuteten dagegen Geschichtsfälschung, wüteten ob einer „Diktatur der Worte“ und ahnten Böses für das Mohrenhaus in Bamberg, das Wappen von Coburg und erst recht Mohren-Apotheken wie etwa die in Karlstadt im Landkreis Main-Spessart. Zwar wurde auch eine gegenläufige Petition gestartet, die jedoch weniger Unterstützer zählt. Initiator Peter Engelhard hat laut Augsburger Allgemeine festgestellt, „dass es immer mehr Initiativen gibt, die Traditionelles durch überkorrekte Sprache verdrängen“.


„Wird hier Rassismus bekämpft oder nur Publicity gesucht“, ärgert sich Iris Zeilnhofer auf dem Blog Wirtschaftsleben Schwaben. Andere verwiesen darauf, dass sich „Aktivisten“ anmaßen, in die unternehmerischen Belange der Hotelbetreiber einzugreifen. „Hattu Möhren oder Hattu Macke?“ bilanziert der Blog Frauenpanorama genervt. Ein unkritischer Medienkonsument dagegen kann nur zu dem Schluss kommen, dass Bayern schon seit zehn Jahren ein überdies dreifaches Rassismusproblem hat: dem Neger- und dem Zigeunerproblem muss sich nun offenkundig ein Mohrenproblem beigesellt haben. Aber der Reihe nach.



„wunderbarer weißer Mann“


Schon 2009 schrieb Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) an seine Justizkollegin Beate Merk (CSU), sie möge sich dafür einsetzen, dass der Begriff „Neger“ aus dem „öffentlichen Raum“ verbannt werde. Denn nach Zeils Ansicht habe der Neger auf Getränkekarten nichts zu suchen – das Biermischgetränk aus Weißbier und Cola sei aufgrund seiner bräunlichen Farbe mit der rassistischen Bezeichnung belegt worden, behauptet Martina Plötz im SPD-Blatt Vorwärts. Die Forderung des Wirtschaftsministers ging auf einen Beschluss des Arbeitskreises Panafrikanismus zurück, der schon seit längerem gefordert hatte, einen neutralen Begriff zu verwenden.


Das Amtsgericht Hersbruck verurteilte 2014 einen 68-jährigen Altdorfer zu 1.800 Euro Geldstrafe, weil er einen US-stämmigen Familienvater als „Neger“ tituliert hatte. Sich selbst sah der Verurteilte laut Nürnberger Nachrichten nicht als Täter: „Das stimmt doch alles gar nicht! Und Neger ist doch keine Beleidigung. ‚Zehn kleine Negerlein‘ heißt ja immerhin auch ein Lied.“ Richterin Anja Grammel habe gekontert: „Nur weil es ein Lied gibt, das diesen Titel trägt, heißt es nicht, dass das Wort keine Beleidigung ist.“ Darüber mag man ein Weilchen nachsinnen.


2015 bezeichnete dann Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den dunkelhäutigen Sänger Roberto Blanco im ARD-Talk „Hart aber fair“ als „wunderbaren Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat“ und erntete dafür einen Shitstorm; ihm wurde gar Sprachverrohung vorgeworfen. Blanco reagierte in der Rheinischen Post sehr gelassen: „Der Ton macht die Musik. Immer. So wie Joachim Herrmann das gesagt hat, war das nicht böse oder rassistisch gemeint. Wenn ich zu Ihnen jetzt sage, Sie sind ein wunderbarer weißer Mann, dann wären Sie auch nicht beleidigt.“ Dass man mit den Begrifflichkeiten früher legerer umging, zeigte gerade die CSU. Deren Chef Franz Josef Strauß trug Blanco einst die Ehrenmitgliedschaft in der Partei an, worauf ihn dieser beschwor: „Wir Schwarzen müssen zusammenhalten.“


Ein Jahr später sollte sich das Hofbräuhaus Traunstein für eine Plakatwerbung rechtfertigen, auf der ein grinsender Schwarzer, nur mit Lederhose bekleidet, posiert. Der Slogan dazu lautet: „A Preiß kon nie a Bayer werdn, a Neger aber scho“. Zwei regionale Sportvereine sahen den zweiten Halbsatz und das ganze Plakat als rassistisch an. Die Brauer wollen von Rassismus nichts wissen, dafür umso mehr von künstlerischer Freiheit und dem „hintergründigen Augenzwinkern des bayerischen Humors“, wie Geschäftsführer Josef Schumacher der Süddeutschen Zeitung sagte. Im BR plädierte Schumacher als „Bewohner eines Freistaats“ gar für einen Alleinstellungsanspruch „bei die Sprüch‘“. Der Spruch sei witzig, weil er „den tiefgründigen Humor und leichten Sarkasmus des Bayern wiederspiegelt“.


2017 entbrannte auf Facebook eine Debatte um den traditionellen „Negerball“ der Gemeinde Kirchberg im Wald (Kreis Regen) - eine Benefizveranstaltung für Afrika (!), die dort seit 40 Jahren zum Fasching veranstaltet wird. Kritiker warfen dem Veranstalter Rassismus vor. Facebook machte kurzen Prozess und löschte den Eintrag. Ursprünglich hieß die Faschingsgaudi „Jugend tanzt für Afrika“, in der Jugendsprache wurde daraus der Negerball. Der Arbeitskreis Dritte Welt als Veranstalter änderte den Namen in „Negaball“. Welche semantische Nuance das Kiezdeutsch dem Hochdeutschen abtrotzen sollte, hat der Arbeitskreis bis heute nicht erklärt.



Puszta statt Zigeuner


Das zweitälteste der bayrischen Rassismusprobleme heißt: Zigeunerproblem. Eine politische Hochschulgruppe in Regensburg plante 2016, die Umbenennung des sogenannten Zigeuner-Schnitzels in der Mensa der Regensburger Uni zu fordern, da diese Bezeichnung ein Ausdruck von Diskriminierung sei, berichtet Rainer Schreiber auf La Bohemien. Zwei Jahre später etikettiert die Metzgerei Boneberger ihren „Zigeunerbraten“ in „Pusztabraten“ um. Die Namensänderung begründet Boneberger-Chef Michael Walk im Merkur mit Klagen, die immer wieder auch per Mail bei ihm eingegangen seien: „Es war jetzt keine Kampagne, sondern es gab stete Beschwerden, auf die ich jetzt reagiert habe“. In den Münchner Filialen hätten sich Kunden sogar persönlich beschwert. „Auf so einen Ärger kann ich gerne verzichten.“


Deshalb benannte er auch die „Zigeuner-Kochsalami“ um und wolle sich für den „Zigeunerbraten“, der freitags als Tagesgericht im Imbiss angeboten wurde, eine neue Bezeichnung überlegen: „Der Zeitgeist ist offenbar so“. Die meisten Kunden allerdings reagieren auf die Änderungen mit Lachen. Nach einer Umfrage bei 15 oberbayerischen Wirtshäusern bietet lediglich das Eichbichl-Stüberl in Habach ab und zu noch einen Zigeunerbraten an. „Das Thema mit der Bezeichnung gibt es seit 20 Jahren“, sagt Inhaber Herbert Messing. Beschwerden habe es bei ihm jedoch nie gegeben. Ändern würde Messing den Namen jetzt sowieso nicht mehr, da er bald in den Ruhestand gehe.


Im Sommer 2019 hat dann der Inspekteur der Bayerischen Polizei, Harald Pickert, seine Beamten gar angewiesen, nochmal nicht mehr von „Sinti“ und „Roma“ zu sprechen. Pickert bittet darum, dass „Begriffe mit einer diskriminierenden Diktion […] strikt vermieden werden“ und eine solche Charakterisierung „grundsätzlich zu unterbleiben“ habe - zumindest insofern die „Erfüllung polizeilicher Aufgaben“ durch diese Einschränkung unberührt bleibt. In seinem Brief bezog er sich auf interne Fahndungen, Öffentlichkeitsfahndungen, Warnhinweise oder Pressemitteilungen. Insofern eine solche Beschreibung für den Tathergang und das Motiv ohne Bedeutung sei, solle man darauf verzichten. Ausgenommen von der Regelung sind Fälle, in denen „Sinti“ oder „Roma“ als Beleidigung gebraucht wird. Dann dürften die Begriffe in polizeilichen Protokollen verwendet werden.


Hintergrund sei ein Hinweis des Landesbeauftragten für Datenschutz, der die Schreiben der bayerischen Polizei stichprobenartig analysierte und dabei auf einen (!) Bericht stieß, dem zufolge Beschuldigte „aufgrund der Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Sinti“ über kriminelle Erfahrungen verfügen könnten - ohne dass die Betroffenen zuvor polizeibekannt waren. In der Folge soll nun genauer darauf geachtet werden, ob die Verwendung solcher Begriffe für die Ermittlungen notwendig ist. Ist das nicht der Fall, sollen sie nicht verwendet werden. Herbert Heuß vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt laut Bild die Anweisung: „Diskriminierend sind nicht diese Begriffe, sondern die rassistischen Zusammenhänge, in denen sie gegebenenfalls verwendet werden.“


Das sahen nicht nur Journalisten anders. Für Jan Fleischhauer war im Focus zunächst „neu, dass dies eine diskriminierende Bezeichnung sein könnte, schließlich nennt sich der entsprechende Interessenverband in Heidelberg ganz offiziell ‚Zentralrat Deutscher Sinti und Roma‘“. Dass manche Delikte in bestimmten Gruppen gehäuft auftreten, hält er „für einen Umstand, über den sich nachzudenken lohnt … Sich blind und taub zu stellen, nur weil das gerechter wirkt, scheint mir keine kluge Strategie zu sein.“ Und er erkennt messerscharf:


„Das Problem ist, dass nach dieser Logik streng genommen auch die Nennung von Geschlecht oder Alter unterbleiben müsste. Wenn ich immer wieder zu hören bekomme, was Männer so alles Frauen antun, führt das dazu, dass ich von Männern insgesamt ein schlechtes Bild entwickle.“

Auch der Landeschef der Polizeigewerkschaft, Rainer Nachtigall, will „die Medienberichterstattung über die polizeiliche Nutzung der Begriffe ‚Sinti‘ und ‚Roma‘ so nicht stehen lassen“. „Wenn für das Verständnis einer Tat oder für Rückschlüsse auf einen möglichen Täter entsprechende Begrifflichkeiten notwendig sind, sollten diese auch weiterhin, z.B. für interne Fahndungszwecke, verwendet werden dürfen“, erklärt er. „Der Grat zwischen dem Vorwurf der Diskriminierung und dem, dass die Polizei Medien bzw. die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert, ist oft sehr schmal.“ Das dürfe aber „nicht so weit führen, dass die polizeiliche Arbeit durch die Suche nach den politisch korrekten Bezeichnungen beeinträchtigt wird.“



„Das Wort ist scheinheilig“


Welche Folgen diese Gratwanderung zeitigen kann, wurde im Fall des Berliner U-Bahn-Treters Svetoslav Stoikov deutlich, der nicht nur in der bayrischen Presse als „Bulgare“ bezeichnet wurde. Die Welt berichtete, dass das in seinem Herkunftsland heftige Emotionen ausgelöst habe und viele Bulgaren fürchteten, dass das Image ihres Landes darunter leiden wird. Dabei sei der Täter gar kein „echter Bulgare“– sondern Roma, zitiert das Blatt bulgarische Medien.


Dennoch, befand Stefan Stukenbrok im Merkur, sei es für den normalen Bürger kaum nachvollziehbar, dass es „weiterhin von Herstellern wie Kühne und Knorr Zigeunersoße zu kaufen gibt und am Imbissstand Zigeunerschnitzel angeboten werden“. Allerdings musste er eingestehen, dass selbst Sinti oder Roma nicht unbedingt „sichere“ Bezeichnungen sind, und zitiert Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller:


„Ich bin mit dem Wort Roma nach Rumänien gefahren, habe es in den Gesprächen anfangs benutzt und bin damit überall auf Unverständnis gestoßen. ‚Das Wort ist scheinheilig‘, hat man mir gesagt, ‚wir sind Zigeuner, und das Wort ist gut, wenn man uns gut behandelt‘.“

Nun also der Mohr. Die Mohren- oder besser Möhren-Petition wurde notabene am dritten Novembersamstag an der Hotelrezeption in der Maximilianstraße abgegeben – die Geschäftsleitung des Hotels erachtete es für unnötig, sich dazu blicken zu lassen. Geplant als fünfstündiges Event mit einer Demo durchs Stadtzentrum, verlief die Aktion unter dem Slogan „Decolonize Augsburg“ eher unspektakulär: etwa 25 Mitglieder der Organisation sowie von befreundeten „antirassistischen Organisationen“ hatten vor dem Herkulesbrunnen protestiert und waren dann durch die Innenstadt zum Merkurbrunnen gezogen.


Für das Event warb zuletzt der eher mäßig bekannte Comedian Felix Lobrecht in seinem Podcast Gemischtes Hack: er hatte im Oktober im Hotel übernachtet und den Namen als „No-Go“ empfunden. Das Hotel begründet den Namen übrigens mit einer Legende: 1495 sollen drei abessinische Mönche nach Augsburg gekommen sein. Da der Winter hart war, konnten sie die Heimreise nicht antreten, woraufhin Gastwirt Konrad Minner ihnen eine Bleibe anbot. Dennoch wurde das Mohren-Logo vom Internet-Auftritt des Hotels inzwischen entfernt.


Apropos Mohr: Das alt- und mittelhochdeutsche Lehnwort stand bereits seit dem Mittelalter nicht nur für Mauren im oben genannten Sinne, sondern verallgemeinert für „Menschen mit dunkler Hautfarbe“; hier spielte wiederum das griechische ἀμαυρός (amauros, „im Ganzen dunkel“) mit hinein. Es wird heute vor allem in historischen oder literarischen Kontexten oder als Teil von Bezeichnungen gebraucht, z. B. als Wappenfigur. Andere Quellen nehmen eine zusätzliche Transmission von St. Mauritius an, dem farbigen Anführer der Thebanischen Legion in Ägypten zur Römerzeit, der sich weigerte, Christen nur um ihres Glaubens willen zu töten, lieber selbst unschuldig sterben wollte und so zum Märtyrer wurde. In ottonischer Zeit stieg er zum Schutzpatron des neuen Erzbistums Magdeburg auf - im Magdeburger Dom findet man seine Plastik als Vollblut-Afrikaner.

Seine Beziehung zu Apotheken beruhe darauf, wie Christian Tauchnitz für die FAZ recherchierte, dass er als Heilkundiger galt und die Trennung der Berufe von Arzt und Apotheker erst durch Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen im Jahre 1237 verfügt wurde. Nach seiner eingedeutschten Namensform sind darüber hinaus viele St. Moritz-Kirchen benannt, viele „Moritzburgen“ ebenso, etwa in Halle oder Zeitz. Wer das Wort also für diskriminierend, kolonialistisch oder gar rassistisch hält, offenbart vor allem ein Bildungsproblem.



„Selbst- oder Fremdbezeichnung“


Doch darauf käme es gar nicht an, befindet Claas Henschel, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte an der Universität Augsburg arbeitet und aktives Mitglied bei „Augsburg Postkolonial“ ist. Sondern es käme darauf an, schreibt er in einem langen, ideologietriefenden Sextaneraufsatz für den Augsburg-Blog daz, „ob es sich um eine Selbst- oder Fremdbezeichnung handelt. Einen aus Bayern stammenden Menschen als Bayer zu bezeichnen, ist unproblematisch, so lange die Person sich selbst auch so sieht.“ Auch das ist kein Witz.

Von „sprachlicher Entpigmentierung“ schreibt Rainer Bonhorst auf achgut und regt sich auf:


„Die Sprachreiniger von heute dienen nur noch ausnahmsweise der Völker- und Rassenverständigung. Sie sind Teil einer neuen, uralten Bewegung geworden: Sie gehören der breiten Bewegung derer an, die mit Mitteln der Zensur die Freiheiten angreifen, die wir uns im Westen so mühsam erkämpft haben. Freiheiten, die die Mauren/Mohren nie hatten. Und denen wir nicht damit helfen, dass wir uns unsere Freiheiten Stück für Stück von politisch überkorrekten Zensoren beschneiden lassen.“

Schon während der Zigeuner-Debatte im Oktober 2018 hatte der Merkur, nach Reichweite die zweitgrößte Zeitung Bayerns, unter seinen Lesern eine Umfrage zum politisch korrekten Sprachgebrauch gestartet. Knapp 45 % wollten sich nicht bevormunden lassen, wie sie zu reden hätten, fast 88 % fanden, dass man es mit der Sprachregelung auch übertreiben könne. Und in einer aktuellen Umfrage der Mainpost sprachen sich 95,8 % der Leser gegen die Umbenennung des Hotels aus. Prompt teilte das Haus am Buß- und Bettag (!) mit, es wolle seinen Namen behalten. Ob das die „Sprachreiniger“ unwidersprochen lassen, ist offen.




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Über den Autor:


Thomas Hartung, geb. 1962 in Erfurt; promovierte nach seinem Lehramtsstudium in Magdeburg 1992 zur deutschen Gegenwartsliteratur und war danach als Radio- und Fernseh-Journalist in Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie als freiberuflicher Dozent für Medienproduktion und Medienwissenschaft an vielen Hochschulen Deutschlands tätig. Der bekennende „Erzliberalkonservative“ trat als Student in die LDPD ein und 1990 aus der FDP aus: von „misslungener Einheit“ nicht nur mit Blick auf die Parteienfusion spricht er bis heute. Hartung war im April 2013 Mitbegründer der AfD Sachsen und wurde zweimal zum Landesvize für Presse und PR gewählt. Bei Weltbuch sind „Wie steht‘s um Deutschland“ sowie „Zöpfe, Blutwurst und Kartoffeln“ erschienen.




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