Thomas Hartung: VOLK OHNE TRAUM — Der Fall Uwe Steimle

Karola Wille trat 18-jährig in die SED ein und machte im vereinten Deutschland Karriere als MDR-Intendantin - ganz ohne Ohrfeigen von Beate Klarsfeld. Jüngst zeichnete sie verantwortlich für die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Dresdner Kabarettisten Uwe Steimle. Der wiederum wäre gern ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.



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Kaum volljährig, trat sie mit 18 in die SED ein: „Aus Überzeugung“, wie sie selbst zugab. Aus einer SED-Funktionärsfamilie stammend, bekam sie problemlos einen Studienplatz an der juristischen Fakultät in Jena. Jahrelang war sie mit einem DDR-Militärstaatsanwalt verheiratet und verfasste entsprechend linientreu 1985 ihre Doktorarbeit zur Ausländerkriminalität in der DDR: „Die Vorzüge des Sozialismus sind auch im internationalen Rahmen umfassend zur Geltung zu bringen.“ Diese Frau wurde bereits zum zweiten Mal zur MDR-Intendantin gewählt: Karola Wille. Und unter der Intendanz dieser Frau wurde Anfang Dezember der Dresdner Kabarettist Uwe Steimle, der sich dezidiert als „Linker“ versteht, aus dem MDR-Programm entfernt: einer, der dem Volk gerne aufs Maul schaut – und das ihn mit Einschaltquoten über zehn Prozent belohnt, obwohl seine Sendung „Steimles Welt“ parallel zum Tatort lief. Vier Sendetermine waren für 2020 vereinbart, sieben Sendungen vorproduziert.


Für die Deutung dieses unglaublichen Vorgangs braucht man gar nicht Wolf Biermann zu bemühen, O. F. Weidling reicht schon. Als der Dresdner Conférencier 1984 vor der Partei- und Staatsführung den neuen Friedrichstadt-Palast eröffnete, missfielen dem SED-Wirtschaftslenker Günter Mittag einige von Weidlings Pointen, die er als gegen sich gerichtet interpretierte. Etwa die, dass Sachsen in der Tradition der wirtschaftlichen Ausplünderung für die Kriegskassen Friedrichs II. Waren nach Preußen liefern müsse. In der TV-Wiederholung wurden fast alle seine Szenen herausgeschnitten und er faktisch mit einem Berufsverbot belegt. Ein Jahr später starb er.


Der linke Steimle, übrigens Sohn eines Stasi-IM und NVA-Offiziers, wählt die Partei nicht nur, sondern wurde von ihr auch als Mitglied der Bundesversammlung benannt und 2009 vom Sächsischen Landtag dorthin entsandt. Die „Wende“ sieht er als „Kehre“ und den Bundestag, aus Sicht der WAZ „nicht ironisch“, als „arbeitsscheues Gesindel“, das wegmüsse. Im Februar 2018 wurde Steimle zum Schirmherrn der Ökumenischen Friedensdekade ernannt, aber bereits nach wenigen Tagen wieder abberufen, da seine Aussagen „keine eindeutige Distanzierung von rechtspopulistischen Positionen bzw. der Pegida-Bewegung erkennen“ lassen würden. Fazit: 30 Jahre nach dem Untergang der DDR feuern alte Osteliten, die im besten Deutschland, das wir je hatten, Karriere gemacht haben, einen Ost-Kabarettisten, der ernsthaft glaubte, in der BRD könne man ungestraft seine Meinung sagen. Ein Leser vermutet in der LVZ gar einen neuen „Radikalenerlass“.


Denn eine unrühmliche Rolle spielt auch Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi. Der smarte Sachse hatte noch beim DDR-Fernsehen volontiert und wie auch Maybrit Illner an der Universität Leipzig, dem „Roten Kloster“, Journalistik studiert. Nach seiner Argumentation habe der Kabarettist wiederholt in öffentlichen Äußerungen die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frage gestellt und die Staatsferne bestritten, so in einem Interview mit der Jungen Freiheit im Juli 2018. Durch diese Aussage habe Steimle die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seiner Mitarbeiter beschädigt und gegen den Mitarbeiterkodex des MDR verstoßen. „Vor diesem Hintergrund sehen wir keine weitere Basis mehr für eine Zusammenarbeit, die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt sein muss“, so Jacobi.


Der parteilose Pirnaer Stadtrat Tim Lochner bat vergeblich um Einsichtnahme in diesen Kodex, was die Frage nach seiner Existenz aufwarf. Wie vorgeschoben diese Begründung aber wirklich ist, wird beim Vergleich mit alten Serien von „Ekel Alfred“ deutlich: da war vom „roten Rundfunk“ in Köln die Rede, der Intendant wurde als „Grinsrübe“ und „Leihgabe vom Kalmükenfernsehen“ tituliert. „Der aktuelle ARD-Chef ist zwar Merkels ehemaliger Pressesprecher, aber Aussagen zur ‚mangelnden Staatsferne‘ sind ‚nicht akzeptabel‘“, ergötzt sich der PinguMania Blog. Und ihr aktueller Regierungssprecher ein Ex-ZDF-Moderator, ist zu ergänzen. Wie sehr manche Medien offenkundig gar nicht mehr merken, wie sie Bestrittenes durch ihre Texte bestätigen, wurde bei Antje Hildebrandt deutlich, die im Cicero Verfassungstreue als „unabdingbare Voraussetzung für alle, die für den Staat arbeiten“(!), bezeichnete. Von seinen Vorwürfen will Steimle nicht abrücken: „Ein Sender hat staatsfern zu sein“, sagte er Tag24. „Vor den Landtagswahlen war jeden zweiten Tag Ministerpräsident Kretschmer zu sehen, das ist Hofberichterstattung.“ Von „Pjöngjang-TV“ schrieb ein Dresdner Blogger.



„Ist es überhaupt Satire?“


Steimle, der 1992 den Begriff „Ostalgie“ geprägt und 1993 bis 2009 als Hauptkommissar Jens Hinrichs in der Fernsehserie Polizeiruf 110 ermittelt hatte, war in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten. Ein T-Shirt mit der Aufschrift „Putin-Versteher“ künde von ungebrochener Russland-Begeisterung, und das T-Shirt mit der Aufschrift „Ami Go Home“, mit dem er sich 2016 anlässlich eines Compact-Interviews zeigte, von Antiamerikanismus – er sei für Frieden, konterte er. Die heute-journal-Sprecher Marietta Slomka und Claus Kleber nannte er im JF-Interview in Anspielung auf staatsgesteuerte öffentlich-rechtliche Medien „Marionetta Slomka“ bzw. den „Karl-Eduard von Schnitzler der BRD“. Frank Quilitzsch schrieb in der TLZ, dass man bei Steimle nie wisse, „wie ernst der Witz gemeint“ sei. In seinen legendären Parodien auf Erich Honecker habe er „zwar Kritik mitschwingen lassen, aber deutlich mehr Zuneigung als für dessen Landsmann Heiko Maas gezeigt“, befand die WAZ.


Ein grüner Ex-Kommunalpolitiker durfte ein gemeinsames Bild Steimles mit dem Meißner CDU-Stadtrat Jörg Schlechte ungestraft mit den Worten „Völkisch-antisemitischer Jammer-Ossi [...] trifft CDU-Rassist“ kommentieren; für das Amtsgericht Meißen war der Satz durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Begründet wurde das auch mit Steimles MDR-Äußerung, für die islamkritische Dresdner Protestbewegung PEGIDA ein „zärtliches Gefühl“ zu haben: sie würden „auf verfehlte Politik aufmerksam machen“; außerdem müsse man „mit allen reden, auch mit Pegida“. „Aber das lehnt die Politik ja ab mit der Begründung: ‚das sind alles Nazis’. Indem man andere zu Nazis erklärt, hat man eine Begründung, warum man sich nicht mit ihnen auseinandersetzen muss“, erläuterte er bei Tichys Einblick. Steimle war wie Thilo Sarrazin und Henryk M. Broder Mitunterzeichner der „Erklärung 2018“ gegen Masseneinwanderung und beklagte mehrfach öffentlich die Zustände in Deutschland, die er mit jenen in der späten DDR verglich.


Die größte Aufregung allerdings verursachten seine beiden jüngsten T-Shirt-Kreationen: „Volk ohne Traum“ steht auf dem einen, „Kraft durch Freunde“ auf dem anderen; jeweils in Frakturschrift. Er könne darüber nicht mehr lachen, so der MDR-Rundfunkrat und SPD-Landtags-Fraktionschef Dirk Panter in der Freien Presse: „Bei Herrn Steimle ist man sich leider nicht sicher, ob das wirklich satirisch gemeint ist.“ „Rechtsextremismus ist zwar armselig und oft lächerlich, aber nicht satirisch“, erklärte das „Zentrum für Politische Schönheit“, das jüngst Schlagzeilen machte mit dem Versuch, Asche von Holocaust-Opfern gegen die AfD zu instrumentalisieren. „Wie rechts sind Sie wirklich, Herr Steimle?“, fragte Bild. Der Kulturwissenschaftler Jesko Friedrich behauptet im NDR ernsthaft: „Man hat als Satiriker keinen Freifahrtschein, um immer zu provozieren und damit durchzukommen. Man muss jede satirische Äußerung bewerten: Ist es überhaupt Satire?“ Das ist kein Witz.



„Brückenbauer wollte ich sein“


„Bei Satire gilt: Wer sich getroffen fühlt, ist gemeint“, schreibt der nun gar nicht mehr clowneske Steimle in einem Brief an den NDR: „Gedankenfreiheit ist die Hauptschlagader der Demokratie. Wird sie beschädigt, droht der Infarkt.“ Ein Satiriker müsse sich eben nicht erklären: „Die Aussage auf dem T-Shirt, dass Freunde einem Kraft bringen, ist eigentlich eindeutig, oder nicht? Wer etwas anderes dahinein interpretieren möchte ... was hat der vor?“ Und in einer „Erklärung als Mensch, wenn der Satiriker nicht verstanden wird“, erläutert er sein Anliegen, „aus einem belasteten Spruch etwas Neues – Positives zu schaffen… Durch die Hinzunahme nur eines Buchstabens erziele ich eine völlig neue Aussage ... Wenn man es genau nimmt, wollte ich aus einem rechten Spruch einen linken machen. Brückenbauer wollte ich sein, nicht Sprengpionier.“


Damit, so Steimle später bei Tichys Einblick, habe er den Kabarettisten Werner Finck zitiert, zu dessen Lieblingssprüchen die Verballhornung der NS-Parole tatsächlich gehörte und der zu den wenigen Kabarettisten zählte, die im Dritten Reich eine Zeit lang weiter auftreten und das Regime zwischen den Zeilen verspotten durften. Gegenüber Bild verteidigte sich Steimle: „Ich bin Satiriker! Vermutlich hätte Jan Böhmermann für diesen Spruch einen doppelten Grimme-Preis mit Eichenlaub bekommen.“ Der Spruch „Kraft durch Freunde“ sei ein „NS-Kalauer“, wetterte dagegen Anton Rainer im Spiegel und forderte nach der Sachsen-Wahl nur leicht verbrämt die Entlassung des Kabarettisten: „In jeder anderen Anstalt wäre ein Komiker von seinem Schlag untragbar. In Sachsen ist er ein Star. Die Quoten stimmen. Für den Sender ist Steimles Popularität ein Dilemma.“ Wie perfide Journalisten argumentieren, wird auch daran deutlich, dass sie nur vereinzelt darauf verwiesen, dass Hitler die Fraktur 1941 verboten hatte, und Hans Grimms 1926 erschienenes Buch „Volk ohne Raum“ hieß. Im DLF behauptete Bastian Brandau, Steimle habe „mit rechten Codes gespielt“. Prompt bilanziert der bitter: „Aus dem Kampf gegen rechts ist ein Kampf gegen das eigene Volk geworden.“


Die Entscheidung zuungunsten Steimles war vermutlich schon seit längerer Zeit gefallen und die Verschiebung wohl nur seiner Popularität, vielleicht auch dem Wahltermin geschuldet. Gegenüber Bild sagte Steimle im Anschluss: „Ich bin maßlos enttäuscht. Meine Sendung war ein Farbtupfer, bildete unserer Lebenswirklichkeit ab. Ich habe meine Arbeit immer ordentlich gemacht. Die Entscheidung erinnert an fatale Zeiten. Man hat seit Wochen einen Grund gesucht, um mich loszuwerden.“ Und weiter: „Man hat versucht, mich in die rechte Ecke zu drängen. Dass man so eine Sendung opfert wegen einer Nichtigkeit, zeigt, wie wenig Vertrauen man in seine Zuschauer hat.“ Sein Genreverständnis bekräftigt er: „Satire muss ätzen können, muss provozieren dürfen, muss an die Grenzen gehen können, ohne dass der Künstler Zensur befürchten muss.“ Und bei Tichys Einblick wird er sehr deutlich: „Diejenigen, die im Sender bestimmen, haben vergessen, dass das Publikum sie bezahlt.“


Steimle und seine Sendung gehörten nicht ohne Grund zu den beliebtesten des MDR. Der Satiriker bemühte sich mit einigem Aufwand und einem alten Wartburg 312, Menschen aus dem Osten zu porträtieren, die etwas Besonderes auf die Beine gestellt haben. Er zeigt authentisch die Vielfalt der ostdeutschen Bevölkerung, würdigt ihre persönlichen Leistungen und war damit ganz nah an seinem Publikum. Hildebrandt schrieb von einem „Roadmovie, eine Liebeserklärung an den Osten und an die Menschen, die dort lebten. Steimle war einer von ihnen. Im Jubiläumsjahr der Wende dieses fast letzte Angebot fühlbarer positiver Identität zu streichen, um Staatsferne zu beweisen, ist weltfremd, ja absurd.



„Je suis Uwe!“


Schon vor vier Jahren stellte die Otto-Brenner-Stiftung eine besondere Staatsnähe des MDR fest: Die Ironie, die dem Sender offenbar völlig entgeht, besteht darin, dass er den Künstler bestätigt – nämlich mit diesem Vorgehen und der Begründung dafür. „Der Sender geriert sich dabei eben doch als Staatsfunk, dem es nicht um Meinungsvielfalt, Pluralismus und Demokratie geht, sondern um die Durchsetzung der einen, nämlich der ‚richtigen‘ Sicht auf die Dinge“, erkennt Andreas Richter bei RT deutsch. Dieser Rauswurf zeige, „dass das Koordinaten- und Wertesystem in unserer Gesellschaft völlig verschoben ist. Je suis Uwe!“, erklärt der medienpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion Torsten Gahler. Viola Martin-Mönnich, FDP-Landesvorständin aus Sachsen, lobte den Schritt bei Facebook dagegen als „überfällig. Ich wundere mich eher, dass der MDR das so lange hat mit sich machen lassen - Quoten hin oder her.“ „Aber der Jammerossi hat eben kein Abonnement darauf, gebührenfinanziert der Menschenfeindlichkeit das Wort zu reden und mit rechten Weltbildern Kaleidoskop zu spielen“, dekretiert Tobias Prüwer im Leipziger Stadtmagazin Kreuzer. Hildebrandt schoss den Vogel ab mit dem Satz „Meinungsfreiheit ist keine Narrenfreiheit“ – offenbar will sie auch den Karneval reglementieren.


„Ich wurde entfernt, das ist eindeutig Berufsverbot, Zensur ersten Grades!“, sagte Steimle Tag24. Bei Facebook stellte der MDR allerdings klar, dass niemand Steimle verbiete, seiner Tätigkeit nachzugehen, nur eben nicht beim Sender. Der hatte den 56jährigen noch im Mai in der Serie „Lebensläufe“ porträtiert, ihn als „Heimatforscher und Störenfried“ vorgestellt, als „Mann, der zum kulturellen Inventar Mitteldeutschlands gehört“. Einen „Querkopf“ nennt ihn Epochtimes, ein „disparates Weltbild“ erkennt Tichys Einblick. Natürlich kann man es keine gute Idee finden, schlecht über den eigenen Arbeitgeber zu sprechen, und dem MDR zugutehalten, dass „auch Lieschen Müller ihren Job bei der Bäckerei an der Ecke vermutlich schnell los wäre, wenn sie vor der Kundschaft permanent die eigenen Brötchen madig machen würde“, schreibt Boris T. Kaiser in der JF. „Aber dieser Vergleich hinkt. Schließlich bedienen sich gerade die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten stets gerne der Satire, um zu beweisen, welch regierungskritischer Geist in ihren Häusern doch wehe“. „Aber zumindest moralisch geht er jetzt als Sieger vom Platz“, muss Hildebrandt eingestehen.

Der Vorgang bezeugt zunächst die Richtigkeit der Steimle’schen Vorwürfe. Der Rauswurf sei „auch ein Element des Kampfes, den die Eliten auch in den und vermittels der Medien gegen die Mehrheit des Volkes führen“, meint Richter. „Wenn der MDR nun eine der wenigen differenzierteren Stimmen zum Schweigen bringt, verschärft er diesen Kurs noch und verdeutlicht damit unfreiwillig, was er wirklich ist: Ein Herrschaftsinstrument, ein Besatzungssender im sogar doppelt besetzten Osten Deutschlands.“


Er bezeugt aber auch eine fortschreitende Spaltung in linke und rechte Fernseh-Unterhaltung. Wenn Jan Böhmermann nach Kontakt mit einem Juden sich „lustig“ desinfizieren muss, das Internet von Andersdenkenden säubern oder gar ein KZ errichten will, ist das Satire. Wenn Dieter Nuhr gegen die „Fridays for Future“- Aktivistin Greta Thunberg stichelt, wird er gleich ins rechte politische Spektrum gestellt und in die Nähe der AfD gerückt. Böhmermann twitterte Tage später ironisch: „Soeben ein Angebot vom mdr für eine NEUE KABARETTSENDUNG bekommen! Es ist wohl ein Sendeplatz frei geworden!“ Ein Facebook-Kommentator fand das nicht witzig: „…der Böhmi hätte auch damals, als die Nachbarn deportiert wurden, nachgeschaut, welche Möbel er so gebrauchen kann.“


„Lieber Uwe Steimle, jetzt können wir öfter mal wieder Kaffee trinken zusammen, ohne dass Du gegen Verträge verstößt und vielleicht sollten wir Deine alte Sendung mit meinen neuen Kollegen von NuoViso produzieren“, freut sich Katrin Huß auf Facebook - der MDR-Moderatorin war im Sommer 2016 eine Vertragsverlängerung versagt worden, weil sie es bei einem Interview mit dem Psychiater Hans-Joachim Maaz zur Flüchtlingskrise unterließ, „politisch einzugreifen im Sinne des MDR“, wie sie in ihren Erinnerungen schrieb. „Doch was erwarten wir auch von einer Sendeanstalt, wo inzwischen Hobbyköche, Schlagersänger, Schauspieler und Ärzte ohne journalistische Grundausbildung einen Großteil der Sendungen moderieren und gestandene Journalisten zu anstrengend geworden sind, weil sie mitdenken wollen?“, legte sie in der JF nach.


Inzwischen wurde Anfang Dezember eine Petition „Wir sind Steimles Welt“ gegen den MDR gestartet, die nach zwei Tagen schon über 16.000 Unterstützer fand. „Es wollen sogar Leute für mich demonstrieren“, sagt Steimle bei Tichys Einblick und findet das anrührend. Und tatsächlich haben zum Nikolaustag etwa 50 Menschen, darunter der mehrfach von der Antifa heimgesuchte AfD-Abgeordnete Hans-Jürgen Zickler (MdL), vor dem MDR-Landesfunkhaus Sachsen demonstriert und ein Spruchband mit dem Text: „Meinungsfreiheit abgeschafft, Demokratie am Ende“ hochgehalten. Doch Steimle denkt größer: „Es geht hier nicht in erster Line um mich. Ich wäre gern der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Das lässt tief blicken.




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Über den Autor:


Thomas Hartung, geb. 1962 in Erfurt; promovierte nach seinem Lehramtsstudium in Magdeburg 1992 zur deutschen Gegenwartsliteratur und war danach als Radio- und Fernseh-Journalist in Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie als freiberuflicher Dozent für Medienproduktion und Medienwissenschaft an vielen Hochschulen Deutschlands tätig. Der bekennende „Erzliberalkonservative“ trat als Student in die LDPD ein und 1990 aus der FDP aus: von „misslungener Einheit“ nicht nur mit Blick auf die Parteienfusion spricht er bis heute. Hartung war im April 2013 Mitbegründer der AfD Sachsen und wurde zweimal zum Landesvize für Presse und PR gewählt. Bei Weltbuch sind „Wie steht‘s um Deutschland“ sowie „Zöpfe, Blutwurst und Kartoffeln“ erschienen.




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