top of page

Christoph Ernst: WOKE KULTURPOLITIK – EIN BUCH SAMMELT SCHADENSFÄLLE

  • vor 32 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Zusammen mit zwölf Mitstreitern beschreibt Herausgeber und Philosoph Alexander Ulfig die verheerenden Folgen „woker“ Gesinnung auf den deutschen Kulturbetrieb. Das Buch „Woke Kulturpolitik – Ursprünge, Erscheinungsformen, Auswirkungen“ verdeutlicht eindrucksvoll, wie eine schein-emanzipatorische Doktrin das Kulturleben zerstört. Anhand konkreter Beispiele aus Musik, Literatur, bildender Kunst, Theater, Film und Sport zeigen Till Kinzel, Michael Esfeld, Tom Sora, Adorján Kovács, Gunnar Kunz, Anna Diouf, Lukas Katzmann, Uwe Jochum, Ronald G. Asch, Birgit Kelle, Sabine Böppler-Spahl und Bruno Köhler das Vordringen einer invasiven Ideologie unter Vortäuschung hehrer Ziele in neutrale Zonen. Diese verpestet sie mit „Gender“, „Entitlement“ und „kritischer Rassentheorie“ bis zur agitatorischen Transformation und Gleichschaltung.





Eingangs beleuchten Ulfig, Kinzel und Esfeld die historischen Hintergründe des Phänomens. Ab den 1960ern verschmolzen an US-Universitäten aus Frankreich importiert die Ideen neo-marxistischer Dekonstruktivisten mit der „kritischen Theorie“ und amalgamierten mit der damals aufkeimenden Identitätspolitik. Daraus entstand das ideologische Gebräu, das uns heute als „Diversity, Equity and Inclusion“ (DEI) Sodbrennen bereitet und uns seit gut zehn Jahren das „große Erwachen“ beschert.


 „Alles ist politisch“, lautete ein Slogan der 68er. Das hieß, dass nichts mehr heilig sein sollte. Es durfte keine spirituellen Rückzugsräume mehr geben. Die Trennung zwischen innen und außen, privat und öffentlich, eigen und fremd war aufzuheben. Kunst und Kultur hatten auf solch einem Spielplatz nur noch eine Daseinsberechtigung als „Agitprop“. Denn zugleich machten Antonio Gramscis „Gefängnishefte“ Furore und die Linke setzte an, um sich auf ihrem langen Marsch durch die Institutionen die kulturelle Hegemonie zu sichern. Ihr Feldzug war erfolgreich, und ähnlich wie der „Große Vorsitzende“ Mao Tse-tung einst seinen langen Marsch mit der Kulturrevolution krönte, so ernten wir nun die Früchte ihres Sieges in Form triumphaler „Erweckung“. 


Das illustrieren die Autoren, und sie veranschaulichen den atmosphärischen Wandel, dem Kreative und Kulturschaffende dadurch ausgesetzt sind: die allgemeine Verunsicherung, die Furcht vor Missfallen und etwaiger Denunziation, der Druck, der ihrer „Unterwerfung“ vorausgeht und Fügsamkeit angezeigt scheinen lässt. Denn wer sich sträubt und nicht brav mitspielt, wird zwar noch nicht erschossen, aber riskiert Gelder, Gage, Karriere und Zukunft. So wird Selbstzensur zur Norm und Anpassung zur Tugend.


Parallel tritt dabei auch der penetrante Antisemitismus der politisch Erweckten zutage, den Sabine Beppler-Spahl in ihrem Beitrag bissig wie treffend aufdröselt. Sie erläutert, wieso sich angebliche „Antifaschist*innen“ für die Hamas begeistern, obwohl oder weil deren Judenhass wesentlich auf deutsche Nationalsozialisten und Adolf Hitlers Dschihad-Agitator Muhammed Amin-al-Husseini zurückgeht, der bekanntlich nach 1945 als Mentor von Jassir Arafat die Partei „Fatah“ aufzubauen half und diversen NS-Kriegsverbrechern lukrative Jobs bei nahöstlichen Regimes vermittelte.


Das Buch stillt die Neugierde, wie der zeitgenössische Kulturbetrieb das Oxymoron „Cancel Culture“ buchstabiert. Die im Deutschen Wissenschafts-Verlag erschienene Anthologie ist klug, geistreich, sachkundig und fundiert. Sie liefert die peinlich gründliche Anamnese des mutwillig herbeigeführten, ideologisch getriebenen Dekonstruktionsprozesses, den wir täglich beobachten. Fast alles, was Sie schon immer über „Wokeness“ wissen wollten, aber sich aus Rücksicht auf Ihre Magenschleimhaut nicht zu fragen getrauten, findet sich hier hervorragend lesbar auf 151 Seiten. Ideal für Anfänger und Fortgeschrittene!


Woke Kulturpolitik – Ursprünge, Erscheinungsformen, Auswirkungen. Deutscher Wissenschafts-Verlag: Baden Baden, Kappelrodeck 2025


Über den Autor: Christoph Ernst, geb. 1958, studierte in Hamburg und New York Geschichte, arbeitete als Kulturmanager, Journalist und Dozent. Nach längerem Berlinabstecher lebt er heute wieder in Norddeutschland. Er schreibt Sachbuchtexte, Kurzgeschichten, Kriminalromane, Theaterstücke und Hörspiele. Aktuell arbeitet er an einem Essay über postmoderne Identitätspolitik.   


Hier können Sie TUMULT abonnieren.                                    

Für Einzelbestellungen klicken Sie bitte hier.


Besuchen Sie das Dresdner TUMULT FORUM - für Termine und Neuigkeiten genügt eine Nachricht mit Ihrem Namen und dem Betreff TERMINE an TUMULTArena@magenta.de      

bottom of page