Holger Fuß: DER MEDIAL-MANIPULATORISCHE KOMPLEX
- vor 2 Stunden
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Namenswitze scheinen hierzulande verpönt. Über den ZDF-Intendanten Norbert Himmler habe ich nie einen gehört. Eigentlich schade, denn dieser Mann ist die ideale Zielscheibe für allerlei Schabernack. Außerdem habe ich einen richtig guten Gag über ihn erfunden. Und der geht so: Frage an den Intendanten: Heißen Sie eigentlich wirklich so oder ist das ein Künstlername?

Genug erheitert. Wir kommen zur Sache. Denn tatsächlich stellt sich ja die Frage: Was muss dieser Mann abarbeiten, der bei jeder Nennung seines Namens eine Triggerwarnung auslöst? Achtung, „weder verwandt noch verschwägert“ (Selbstauskunft) mit Heinrich Himmler, Reichsführer SS und NS-Kriegsverbrecher!
Himmler beantwortet diese Frage in der Praxis mit seiner Tätigkeit beim ZDF, insbesondere, seit er 2012 zum Programmdirektor und 2022 zum Intendanten berufen wurde. In diesen anderthalb Jahrzehnten entwickelte sich das Zweite Deutsche Fernsehen, 1963 als konservative Alternative zur damals schon linkslastigen ARD gestartet, zu einem woken volkspädagogischen Bevormundungssender, der die verlässlich links-grün funkenden ARD-Anstalten „auf der Linksspur noch woker zu überholen“ hofft, wie Co-Herausgeber Josef Kraus im „Schwarzbuch Staatsfunk“ schreibt.
Mittlerweile zählt das ZDF zu den verlässlichsten Absendern von Desinformation, Meinungsmanipulation, Denunziation und unverhohlener Hetze von links der Mitte. Unter Himmlers Schirmherrschaft machten Jan Böhmermann, Dunja Hayali und Elmar Theveßen Karrieren, um nur einige Frontleute zu nennen, denen Heerscharen von linientreuen Redakteuren zuarbeiten. Böhmermann als wirkmächtige Existenzvernichtungsgestalt, der den Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, zu Fall brachte, weil er ihm Kontakte zu russischen Geheimdiensten nachsagte – eine Falschbehauptung, die anschließend von Gerichten kassiert wurde. Hayali als Prime Time-Denunziantin, die dem kurz zuvor ermordeten amerikanischen Anti-Wokeness-Influencer Charly Kirk hinterherschmähte, er hätte „oftmals abscheuliche, rassistische, sexistische und menschenfeindliche Aussagen“ getätigt. Thevesen hatte in derselben Causa verbreitet, der streng gläubige Kirk habe die Steinigung Homosexueller befürwortet. Diese fälschliche üble Nachrede musste er wenig später zurücknehmen.
Das „Schwarzbuch Staatsfunk“ ist voll von derlei charakterlichen Niederträchtigkeiten und professionellen Tabubrüchen. In ihren ersten Jahrzehnten waren die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkhäuser (ÖRR) trotz immer wieder erkennbarer politischer Schlagseiten Leuchttürme journalistischer Qualität und arglos-biederer Unterhaltungsformate. Inzwischen sind ARD-ZDF-Deutschlandfunk zu einem Medienmoloch herangewuchert und mit 10 Milliarden Euro jährlich das einnahmenstärkste öffentlich-rechtliche Rundfunksystem weltweit.
Am Leben gehalten wird dieser medial-manipulatorische Komplex mit den Zwangsgebühren, die von immer weniger Bürgern akzeptiert werden. Längst wenden sich wachsenden Teile der Bevölkerung von den ÖRR-Angeboten ab und informieren sich lieber im Internet bei den sogenannten alternativen Medien rechts der Mitte. Auch von den erstaunlich schludrig gemachten fiktionalen Eigenproduktionen bei ARD und ZDF wenden sich immer mehr Menschen ab. Ein TV-Klassiker wie die „Tatort“-Reihe ist längst zur lausig ausgeleuchteten Dekadenz-Arena verkommen, in der die Ermittler oft mehr psychische Störungen aufweisen als die Straftäter und die selten mitreißenden Stories meist nur auf der schmalen Themenpalette politischer Korrektheiten klimpern. Kein Wunder, dass sich die Zuschauer auf Streamingplattformen im Internet lieber mit überraschungsintensiveren Vergnügungsstoffen aus dem Ausland versorgen.
Die 20-Uhr-Tagesschau und die 19-Uhr-heute-Sendung bildeten einst die informationelle Grundversorgung des Landes. Was dort berichtet wurde, war von Relevanz und unhinterfragbarer Autorität. Hier flackerte das Lagerfeuer des Landes, hier ging der talk of the nation über den Schirm. Diese Zeiten scheinen unwiderruflich vorbei.
Aus den Nachrichtenredaktionen von ARD und ZDF kommen mittlerweile lauter Meldungen, die wie neofeudale Hofberichterstattung aus den Zirkeln der Regierenden anmutet. Wenn die größte Oppositionspartei des Landes zitiert wird, geschieht dies verlässlich mit der Anmoderation „die in Teilen rechtsextreme AfD“, als Einordnungshilfe für den zu indoktrinierenden Zuschauer. In den USA-Schalten tragen die Korrespondenten in ihren Aufsagern regelmäßig vor, was es an Donald Trump Neues zu beanstanden gibt.
Im Nahen Osten werden die deutschen Reporter nicht müde, die Bemühungen von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu um die Verteidigung seines schmalen Küstenstreifens zwischen Jordan und Mittelmeer zu notorischen Feindseligkeiten und sogar zum Genozid an palästinensischen Arabern umzuetikettieren. Wer die Mikroaggressionen der öffentlich-rechtlichen Berichterstatter gegen den Judenstaat zur Kenntnis nimmt, ist unversehens daran erinnert, dass ein knappes Jahrhundert zuvor die Judenfeindlichkeit und die Judenvernichtung deutsche Staatsräson war, und heute die loyalen Nachfahren vor der Fernsehkamera stehen und die antisemitische Erbmasse aus ihrem Genpool zur Geltung bringen. Das It-Girl derer, die ihren Hass auf Juden mit Israelkritik einseifen, ist Sophie von der Tann, die für ihre listenreich verpackte Anti-Israel-Publizistik im Vorjahr den renommierten Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis verliehen bekam, mit dem herausragende TV-Journalisten prämiert werden sollen.
Kurzum, beim ÖRR ist gewaltig etwas ins Rutschen gekommen und seine Glaubwürdigkeit als Informationsabsender ist ramponiert. Beinahe täglich lesen wir in der gedruckten Presse, wie ungeniert ARD, ZDF und Deutschlandfunk ihre rot-grün-woke Agenda verfolgen und dafür die Milliarden an Zwangsgebühren gegen den Willen eines wachsenden Teils der Bevölkerung verbrennen.
Im „Schwarzbuch Staatsfunk“ sind diese Verfehlungen nun gebündelt nachzulesen. Als Nachschlagewerk hat der Band zweifellos seine Vorzüge. Insbesondere Teil IV leistet der Zahlenapparat wertvolle Dienste für den, der an den Organisationstrukturen des mächtigen Medienapparates interessiert ist. Hier erfahren wir, was einzelne Sender einnehmen, was TV-Stars verdienen (ZDF-Spitzenreiter Markus Lanz rund zwei Millionen Euro pro Jahr) und wie sich die Rundfunkgebühren entwickelten: 1953 ging es mit sieben Mark im Monat los.
Die übrigen Kapitel kommen leider mit sichtlichen Schwächen daher. In ihnen wimmelt es von Fallstudien, die belegen sollen, wie ruchlos es in den Sendeanstalten zugeht. Die allermeisten Vorfälle hat der interessierte Leser aus Presseberichten lebhaft im Gedächtnis; ohnehin sind einige Schwarzbuch-Beiträge in der „Welt am Sonntag“ und auf der „Achse des Guten“ veröffentlicht worden. Das Schwarzbuch fädelt jedoch in den ersten beiden Abschnitten die bekannten Skandale zu einer unendliche Kette der Empörung auf, um hernach Teil III mit dem Satz zu beginnen: „Dieser Teil des Schwarzbuchs führt die in den beiden ersten Teilen aufgeführten Defizite anhand konkreter Fallbeispiele weiter aus.“
Das wäre schon wieder lustig, wenn es nicht so ermüdend wäre. Im Grund liest sich das Buch über weite Strecken wie eine nicht enden wollende Morningshow bei „Nius“. Denn so verdienstvoll der Themenkanon der sogenannten Alternativen Medien auch ist, folgen sie doch getreulich einer ewigen Wiederkehr des Immergleichen. In dieser Penetranz sind sie gewissermaßen das seitenverkehrte Spiegelbild jenes öffentlich-rechtlichen Einerleis, das sie zu Recht beklagen.
Einzig zwei Buchbeiträge ragen heraus. Einmal die Analyse des „Correctiv“-Skandals von dem klugen Juristen Ulrich Vosgerau anlässlich eines Treffens von zwanzig Privatleuten, die in Potsdam über Remigration diskutierten. Vosgerau, ein Teilnehmer jener Gesprächsrunde, nennt „Correctiv“ einen „privatrechtsförmig organisierten Geheimdienst“ und NGOs den „Zweiten Öffentlichen Dienst“ und die Grünen schließlich den „politischen Arm einer einerseits selbsternannten, andererseits mit staatlichen Mitteln stets gut ausgestatteten Priesterkaste“.
Und zum anderen Anabel Schunkes Rückschau auf die Silvesternacht 2015 auf der Kölner Domplatte, wo es zu sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen und Diebstählen durch migrantische junge Männer in 1.276 Fällen gekommen war. Schunke bezeichnet die zögerliche Berichterstattung über die Geschehnisse als „politisches Gaslightning, dessen wesentlicher Erfüllungsgehilfe in Deutschland der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist“.
Diese beiden süffig zu lesenden und gesellschaftlich ausholenden Texte verdeutlichen die Defizite des Schwarzbuches. Denn anstelle eines fortwährenden Karusselfahrens mit Fallstudien hätten etwas profundere Autoren die Zusammenhänge zwischen ÖRR und dem Zustand unseres Landes stärker ausleuchten können. Schließlich sind die Opportunisten in den Sendern in ihrer Banalität und Mittelmäßigkeit wiederum ein Echo auf die Mehrheit der Zwangsgebührenzahler. Anders gesagt: Die politisch-mediale Elite stellt den Horizont dessen dar, was die Bevölkerung zu wählen imstande ist.
Forschungsexpeditionen dieser Art hätten dem Schwarzbuch mehr Tiefgang verliehen und die Fehlentwicklungen in einen größeren Zusammenhang stellen können. Aufwiegeleien zum Widerstand finden sich erst recht nirgendwo: Was, wenn die Zwangsgebühr massenhaft verweigert würde, so dass der Beitragsservice mit seinem Inkasso nicht mehr hinterher kommt?
Josef Kraus/Walter Krämer (Hg.): Schwarzbuch Staatsfunk. Desinformation statt Information. LMV Langen Müller, München 2026, 320 Seiten, 26 Euro
Über den Autor: Holger Fuß, geb. 1964, lebt als Journalist und Buchautor in Hamburg. Er veröffentlichte das Parteiporträt: „Vielleicht will die SPD nicht, dass es sie gibt. Über das Ende einer Volkspartei“ (FBV Finanzbuch Verlag).
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