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Thomas Hartung: DER ECHTE HASS AUF DIE FALSCHEN FRAUEN

  • vor 34 Minuten
  • 11 Min. Lesezeit

Warum der Mainstream zunehmend Frauen bekämpft, die Familie, Wissenschaft, kurz die Realität ernst nehmen und damit linksfeministisches Feindbild werden: Eine leider nötige Bestandsaufnahme.


Es ist eine der stillsten Verschiebungen der letzten Jahre: Der offiziell „feministische“ Mainstream hat das Subjekt seiner angeblichen Fürsorge ausgetauscht. An die Stelle der konkreten Frau – leiblich, fruchtbar, endlich – tritt eine abstrakte, „queere“ Figur, eine Collage aus Identitäten, deren Konturen gerade darin bestehen, nicht festgelegt zu sein. Wer in diesem Szenario stört, sind ausgerechnet Frauen.





Frauen, die Kinder wollen. Frauen, die Ehe und Familie für ein Ziel halten, nicht für ein Trauma. Frauen, die in der Biologie noch einen Naturbegriff kennen und nicht bloß ein Deutungsspiel. Frauen, die wissenschaftliche Realität höher schätzen als Sprachregelungen. Gegen sie richtet sich ein immer ungenierterer Hass – moralisch, medial, zunehmend auch körperlich. Und keineswegs nur in den USA: In Deutschland verdichten sich Belege dafür, dass sich ein linkes Milieu an diesen „falschen“ Frauen abarbeitet – gern mit staatlicher Förderung.


Die klassische Feminismuserzählung war einfach: Frauen seien Opfer eines männlich dominierten Systems; wer „patriarchale Strukturen“ kritisiere, kämpfe für alle Frauen. Diese Erzählung ist inzwischen ins Gegenteil gekippt. Feindin ist heute nicht mehr „das System“, sondern die Frau, die sich ihm angeblich freiwillig fügt – die Mutter, die Hausfrau, die Naturwissenschaftlerin, die sich weigert, ihre Sprache und ihren Erkenntnisbegriff der neuesten Aktivistenmode unterzuordnen.

Birgit Schmid hat diese Verschiebung Mitte November in der NZZ am Phänomen der Kinderfeindlichkeit in linken Milieus beschrieben: Kinderwunsch und romantische Liebe werden dort zunehmend als „rechts“ markiert. Eine schwangere Journalistin, die über eine Konferenz zur niedrigen Geburtenrate berichtet, wird von jungen Aktivisten als „Nazi“ beschimpft, weil sie überhaupt an einer pronatalen Veranstaltung teilnimmt. Selbst Popstar Taylor Swift sieht sich Rassismusvorwürfen ausgesetzt, als sie öffentlich davon sang, mit ihrem Verlobten, dem Football-Star Travis Kelce, Kinder zu wollen.


Grund war das Lied „Wish List“ ihres neuen Albums. Darin besingt Swift ihren Wunsch, eine Familie zu gründen, so: „Ich will nur dich, ein paar Kinder haben, damit die ganze Nachbarschaft aussieht wie du“. Kritiker hörten heraus, der Pop-Star wolle seine Gene, also sein Weißsein, weitergeben und so die weiße Vormachtstellung festigen – eine Diskussion, die bei der Werbung für die Jeansmarke „American Eagle“ mit Sydney Sweeney auch geführt wurde: Der Satz aus dem Off „Sidney Sweeney has great Jeans“ wurde „rassistisch gelesen“, da das englische Wort für Gene (genes) und das Wort Jeans gleich klingen.


Doch schon als Swift in sozialen Netzwerken ihre Verlobung mit einem romantischen Foto verkündete, das sie mit Kelce ineinander versunken in einem Blumenmeer zeigte, war dies für manche eine heteronormative Provokation. Das ist mehr als Überempfindlichkeit: Es ist ein kulturelles Signal. Wer als Frau Bindung und Muttersein nicht als Problem, sondern als Glück formuliert, überschreitet eine unsichtbare rote Linie – und findet sich schlagartig im Verdacht der „rechten“ Gesinnung wieder. Der Weg von der abweichenden Lebensentscheidung zur moralischen Delegitimierung wird kürzer.


Fakten als Holocaustleugnung


Nirgends tritt der neue Hass auf rechtsstehende oder einfach nur realitätsnahe Frauen so drastisch hervor wie im Wissenschaftsbetrieb. Beispielhaft ist der Fall der Biologin Marie-Luise Vollbrecht. Sie vertritt in öffentlicher Lehre und Publizistik eine Position, die noch vor wenigen Jahren als trivial gegolten hätte: dass der Mensch zweigeschlechtlich ist und biologische Kategorien nicht beliebig umdeklariert werden können.


Genau diese Selbstverständlichkeit genügt, um sie zum Feindbild einer gut vernetzten trans-aktivistischen Szene zu machen. Schon 2022 starteten der Bundesverband Trans* (BVT*), die „Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit“ (dgti) und andere Akteure eine Kampagne unter dem Hashtag „#MarieLeugnetNS-Verbrechen“ – eine moralische Exekution im Kurzformat: Die Biologin, die auf empirische Fakten besteht, wird in die Nähe von Holocaustleugnung gerückt.


Die Begründung mutet so absurd an, wie sie ist: „Trans Menschen hätten im Gegensatz zu jüdischen Opfern ihr Trans-Sein doch einfach ablegen können – so hätte sie es in einem ihrer Tweets nahegelegt“, behaupten Eva und Dana Mahr in der FR. Für viele Trans-Menschen auf Twitter sei dies „sehr belastend und erschreckend”, denn es beinhalte die Behauptung, „dass anders als ‘jüdisch-sein’ eine Transidentität keine intrinsische Eigenschaft eines Menschen sei”. Anders als Jüd*Innen hätten also trans Menschen eine „Wahl“ gehabt, ob sie von den Nazis verfolgt und vernichtet würden.

Das ist kein Witz: vom lateinischen Wort „intrinsecus“ abstammend, bedeutet intrinsisch so viel wie „nach innen gewendet“ oder „innerlich“, also der innere Antrieb, der einem Menschen Anlass und Ansporn zum Handeln liefert. Die Volition, kein Mann oder keine Frau zu sein, kann also gar nicht von „innen”, physiologisch determiniert, kommen, sondern ist immer extrinsisch zu sehen, als psychologisch motiviert. Seine Abstammung kann man aber ebenso nicht zu- oder abwählen wie sein Geschlecht.


Der Clou: Diese Kampagne entspringt nicht einer „subversiven Gegenkultur“, sondern Strukturen, die üppig aus Bundesmitteln finanziert werden. Die dgti erhält seit Jahren Gelder aus einem hessischen Aktionsplan „für Akzeptanz und Vielfalt“; der Bundesverband Trans* wiederum wird unter anderem aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ mit Hunderttausenden Euro alimentiert. Man finanziert also mit Steuergeld Organisationen, die eine Wissenschaftlerin persönlich diffamieren, weil sie an der klassischen Biologie festhält.


Noch deutlicher wird das Mariage hostile von Aktivismus und Staat im Umfeld der Amadeu-Antonio-Stiftung (AAS). Die Stiftung, die 2024 mehr als 3,4 Millionen Euro allein aus Bundesmitteln erhalten hat – Innen-, Familien- und Bildungsministerium inklusive – betreibt den „Sheroes Fund“, einen Spendentopf zur Unterstützung von „Frauen, trans*, inter* und non-binären Personen“, die angeblich wegen ihres Engagements gegen „menschenverachtende Einstellungen“ angefeindet würden – ein mäßig intelligentes Wortspiel um „Heroes“.


Aus diesem Topf wurden die Anwaltskosten der Transfrau Janka Kluge bezahlt, die zuvor nachweislich Falschbehauptungen über Vollbrecht verbreitet hatte und deshalb vor Gericht abgemahnt wurde. Eine biologisch männliche Person darf also öffentlich Lügen über eine Biologin veröffentlichen – und wird, wenn die Geschädigte sich wehrt, über einen staatlich subventionierten Fonds freigekauft. Die AfD-Bundestagsfraktion brachte Mitte November den Antrag „Staatliche Finanzierung der Amadeu-Antonio-Stiftung aus Bundesmitteln beenden“ ein. Der Parlamentarische Geschäftsführer AfD-Fraktion, Stephan Brandner, sprach von „Steuergeld-Vampirismus in der Zivilgesellschaft“ und einer „Schattenkultur der linken NGOs“, die „trockengelegt werden müsste“. 


Das Bild ist eindeutig: Wo Frauen den wissenschaftlichen Realismus gegen identitätspolitische Fiktionen verteidigen, stehen sie nicht nur allein, sondern ihnen treten ganze, mit Steuergeld gepolsterte NGO-Apparate entgegen. Der Staat, der früher wenigstens rhetorisch die Wissenschaftsfreiheit verteidigte, fördert heute Strukturen, die Wissenschaftlerinnen mit Hasskampagnen überziehen.


Cancel Culture an der Universität – und ihre blinden Flecken


Die Debatten um Vollbrecht sind kein Einzelfall, sondern Symptom. Die Gründung des „Netzwerks Wissenschaftsfreiheit“ in Deutschland entstand nicht zufällig aus der Wahrnehmung heraus, dass sich eine Cancel-Culture etabliert, die auch an den Hochschulen die Freiheit gefährdet. Empirische Daten bestätigen, dass diese Dynamik kein Phantom konservativer Phantasie ist. Eine Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung hält fest, dass sich Studierende, die sich politisch als „links“ einordnen, deutlich weniger bereit zeigen, „umstrittene“ Standpunkte etwa zu Gender, Migration oder Minderheitenrechten zu tolerieren als ihre bürgerlichen und rechten Kommilitonen. Mit anderen Worten: Der moralische Absolutismus ist vor allem ein linkes Problem.


Gerade Forscherinnen, die auf heikle Themenfelder wie Islam, Migration oder Geschlechterpolitik spezialisiert sind, bekommen diesen Klimawechsel zu spüren. Die Frankfurter Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter etwa wurde wiederholt Ziel öffentlicher Kampagnen, in denen Kollegen nicht die Kraft zum inhaltlichen Streit aufbrachten. Sie hatte es gewagt, den politischen Islam beim Namen zu nennen und das Kopftuch als Zeichen patriarchalischer Kontrolle zu lesen. Die Antwort war nicht Diskurs, sondern kollektive Hysterie: Ausladungen, Hetzkampagnen, offene Briefe von Kollegen, die lieber denunzieren als argumentieren – ein Verhalten, das selbst liberale Publizisten als Beispiel klassischer Cancel-Culture werten. Eine Frau, die sich weigert, Unterdrückung als Vielfalt zu verkaufen, wird zur Unperson erklärt – von denselben Kreisen, die sich „feministisch“ nennen.


Wer als Frau in diesem Umfeld eine konservative oder auch nur nüchterne Position vertritt, steht doppelt unter Verdacht: Sie verletzt nicht nur die linke politische Orthographie, sondern gilt zugleich als Verräterin am „Geschwisterbund“ der Frauen. Die Reaktion ist entsprechend heftig: Wo der dissidente Mann noch als lästiger „alter weißer Herr“ durchgeht, erscheint die dissidente Frau als innere Feindin, die um jeden Preis zum Schweigen zu bringen ist. Auch die Soziologin Heike Diefenbach, die über familiäre Stabilität und kindliche Entwicklung forscht, wird als „rechte Hetzerin“ diffamiert.


Die neue Sünde


Noch sichtbarer als in der Wissenschaft wird der Hass auf traditionelle Frauen im Alltag, genauer: in der Art, wie über Mutterschaft, Ehe und Familie gesprochen wird. Schmid beschreibt, wie der linke Diskurs das Leben als Frau fast ausschließlich in negativer Beleuchtung zeigt: Mutterschaft als Bürde, Ehe als Einfallstor des Patriarchats, Geburt als „Gewalt“ am weiblichen Körper, Beziehungen zu Männern als „heterofatalistisch“. Bücher wie „Das Ende der Ehe“ (Emilia Roig) oder „Die Erschöpfung der Frauen“ (Franziska Schutzbach) zeichnen ein freudloses Panorama, Medien verstärken die Erzählung der permanent überforderten, betrogenen Frau.


Dem gegenüber stehen Frauen, die schlicht sagen: Ich will Kinder. Ich will heiraten. Ich will mich auf den Mann meines Lebens festlegen. Diese Frauen werden in Deutschland zunehmend mit dem Etikett „Tradwife“ versehen – einem Import aus dem angelsächsischen Raum, der bereits die Verdachtsdiagnose im Namen trägt. „Tradwife“, das ist in vielen Medien nicht mehr bloß eine Lifestyle-Entscheidung, sondern ein „gefährlicher Rückfall“ in reaktionäre Rollenbilder, der dem Feminismus schade und Frauen in finanzielle Abhängigkeit treibe.


Der WDR etwa stellte in einem Social-Media-Beitrag den Zusammenhang her, Influencerinnen, die ihren Alltag mit Mann und mehreren Kindern zeigen, wiesen eine Nähe zum Rechtsextremismus auf – eine Konnotation, die Laura Sachslehner auf NIUS zu Recht kritisierte: Die traditionelle Mutter wird innerhalb weniger Zeilen vom alltäglichen Familienglück zur potentiellen Extremistin umgedeutet. „Wie eine Frau zu sein und zu leben hat, entscheidet heute eine kleine Gruppe moderner Feministinnen, die für sich beansprucht, für alle Frauen zu sprechen. Dass dabei jedoch eine Minderheit versucht, Verhaltensregeln für alle Frauen aufzustellen, ist ein Problem, das nur zu gerne ignoriert wird.“


Noch illustrativer ist der Blick auf die mediale Behandlung jener Frauen, die es an die Spitze der Politik geschafft haben. Jüngst im November präsentierte das ZDF eine Dokumentation mit dem bezeichnenden Titel „Rechte Frauen – weiblich, national, radikal“, in der Giorgia Meloni, Marine Le Pen und Alice Weidel nicht als individuelle Politikerinnen mit sehr unterschiedlichen Biographien erscheinen, sondern als Variation ein und desselben Schreckbilds: die „toxische Blondine“, sanft lächelnd, aber angeblich brandgefährlich.


Archivbilder von Mussolini, Faschismus-Reminiszenzen und raunende Kommentare sorgen dafür, dass sich beim Publikum nicht Neugier auf die Motive dieser Frauen einstellt, sondern ein Gefühl moralischer Alarmbereitschaft. Wer Meloni sagt, soll an „Postfaschismus“ denken, wer Weidel hört, an „Gefahr für die Demokratie“ – nicht an konkrete politische Argumente oder an die schlichte Tatsache, dass hier Frauen genau das tun, was der klassische Feminismus angeblich wollte: Machtpositionen übernehmen und Verantwortung tragen.


Die Doku führt damit im großen Sendeformat vor, was im Alltag bei „Tradwives“ und Vollzeitmüttern bereits eingeübt wird: Nicht die Inhalte sind entscheidend, sondern die Abweichung vom erlaubten Frauenbild. Meloni, Le Pen und Weidel werden nicht deshalb bekämpft, weil sie als Politikerinnen versagen würden, sondern weil sie Weiblichkeit mit Nation, Mutterschaft, kultureller Identität oder religiöser Bindung verknüpfen – also genau jene Kombinationen leben, die der neue Mainstream zur Todsünde erklärt hat.


Cora Stephan nennt dies auf Tichys Einblick eine denunzierende Inszenierung, in der traditionelle Werte wie Mutterschaft und Nationalbewusstsein nicht als Stärke, sondern als regressiv gebrandmarkt werden: „Viele Frauen sind den Brachialfeminismus von links schlicht leid.“ Die Botschaft an alle anderen Frauen ist unübersehbar: Wer politisch „falsch“ steht und zugleich sichtbar weiblich auftritt, wer sich nicht zur geschlechtslosen, grenzenlosen, jederzeit relocateten Funktionärin umerziehen lässt, verliert ihren Anspruch auf Solidarität – und wird zur Karikatur, zur „gefährlichen Blondine“, die man ohne Skrupel moralisch exekutieren darf. Das durfte medial auch die neue japanische Premierministerin Sanae Takaichi erfahren: „Japan rückt nach rechts – trotz Frau an der Spitze”, textete etwa Martin Fritz in der taz.


Wenn der Hass die Straße erreicht


Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt zwar, dass das „Tradwife-Ideal“ in der Lebenspraxis nur eine Minderheitenposition junger Frauen in Deutschland ist. Umso bemerkenswerter, mit welcher Aggressivität auf diese Minderheit eingedroschen wird: Frauen, die überzeugt sind, dass kleine Kinder unter der Vollzeiterwerbstätigkeit ihrer Mutter leiden oder dass ein erfülltes Frauenleben oft Kinder einschließt, werden in den einschlägigen Diskursatlanten als Trägerinnen „antifeministischer Narrative“ geführt.


Hier verrät sich der neue Dogmatismus: Es ist nicht mehr nur umstritten, ob die traditionelle Familie ein Modell unter mehreren sein darf. Allein die positive Rede von Familie und Mutterschaft wird zur ideologischen Unsauberkeit, zur moralisch anrüchigen Abweichung erklärt. Wer als Frau öffentlich sagt, ihr größtes Glück seien Mann und Kinder, steht schneller im Verdacht, als „Antifeministin“ oder „rechte Influencerin“ Teil eines angeblich gefährlichen Projekts zu sein. Die Journalistin Birgit Kelle, Mutter von vier Kindern, die es wagt, Vollzeitmütter zu verteidigen, gilt prompt als „antifeministische Gefahr“.


Hass bleibt selten abstrakt. Wo eine Gruppe moralisch zur Gefahr erklärt wird, folgt der Ruf nach „zivilgesellschaftlichem Widerstand“ bald handfesten Übergriffen. Das lässt sich exemplarisch an den alljährlichen „Märschen für das Leben“ ablesen: Demonstrationen, auf denen überwiegend Frauen – viele von ihnen Mütter – für den Schutz ungeborenen Lebens eintreten.


Seit Jahren werden diese Märsche in Berlin und anderen Städten von linken Bündnissen begleitet, die offen zu Blockaden aufrufen; manche Landeskirchen und Parteien geben den Gegendemonstrationen politische Rückendeckung. In München kam es jüngst zu tätlichen Angriffen auf Teilnehmer, wie der veranstaltende Verein berichtete: Mehrere Lebensschützer wurden angegriffen, die Polizei musste eingreifen.


Wer ernst nimmt, dass es hier überwiegend Frauen sind, die ihren Glauben und ihr Verantwortungsverständnis auf die Straße tragen, muss zur Kenntnis nehmen: Die Ziele der Gewalt sind nicht nebulöse „christliche Fundamentalisten“, sondern konkrete Frauen, die das Lebensschutz-Argument nicht aus feministischer, sondern aus traditioneller Perspektive formulieren.

Die mediale Begleitmusik fällt entsprechend aus. In linken Publikationen wird die Lebensschutzbewegung regelmäßig als „antifeministisch“ und „reaktionär“ etikettiert; ein Berliner Antifa-Verlag hat ein ganzes Buch vorgelegt, in dem Abtreibungsgegnerinnen – viele von ihnen engagierte Christinnen – pauschal als Teil eines gefährlichen, frauenfeindlichen Netzwerkes gebrandmarkt werden. Wieder trifft es jene Frauen, die ihre Mutterschaft und ihr Gewissen ernst nehmen.


„Antifeminismus“ als Totalanklage


Wer die verschiedenen Fäden zusammenführt – Vollbrecht und Schröter, Tradwives und Lebensschützerinnen, konservative Journalistinnen und Mütter mit vielen Kindern –, erkennt ein Muster. Überall dort, wo Frauen ein traditionelles Welt-, Familien- oder Wissenschaftsverständnis öffentlich leben oder verteidigen, reagieren linke Milieus mit drei aufeinanderfolgenden Schritten.

Am Anfang steht die moralische Entwertung. Die Frau wird nicht als Person mit abweichender Meinung, sondern als Gefahr etikettiert: „transfeindlich“, „antifeministisch“, „rechtsradikal“. Im Fall Vollbrecht reicht die Verteidigung der Zweigeschlechtlichkeit, um ihr „Hetze“ vorzuwerfen und sie in die Nähe NS-relativierender Positionen zu rücken.


Es folgt die institutionelle Mobilisierung: NGOs, Stiftungen, Gleichstellungsstellen, Medienportale springen ein, verstärken das Stigma und organisieren Kampagnen. Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist hierfür ein Lehrbuchbeispiel: Mit Millionenbeträgen aus Bundesministerien ausgestattet, finanziert sie über den „Sheroes Fund“ juristische Auseinandersetzungen zugunsten einer Szene, die weibliche Wissenschaftlerinnen diffamiert.


Beides führt letztlich zu sozialem und physischem Druck: Wenn die moralische und institutionelle Isolierung nicht genügt, folgen Ausladungen, Boykotte, Blockaden, schließlich Übergriffe auf Demonstrationen oder Veranstaltungen. Die Botschaft an alle anderen Frauen ist eindeutig: Wer es wagt, sich ähnlich zu positionieren, muss mit ähnlicher Behandlung rechnen.


Die neue Orthodoxie trägt hübsche Namen: „Gleichstellung“, „Antidiskriminierung“, „Demokratie fördern“. Ihre praktische Anwendung bedeutet jedoch nicht selten die systematische Diskriminierung jener Frauen, die sich dem linken Fortschrittsbegriff entziehen. In einer Handreichung gegen „Antifeminismus“, herausgegeben vom Deutschen Frauenrat, tauchen Begriffe wie „traditionelle Familie“ und „klassische Rollenbilder“ fast ausschließlich in warnendem Kontext auf – nicht als legitime Lebensentscheidung, sondern als Problem, dem man politisch entgegenzutreten habe.


Verteidigung der wirklichen Frau


Wer diesen Mechanismus kritisiert, wird schnell beschuldigt, „gegen Gleichstellung“ zu sein. In Wahrheit geht es um das genaue Gegenteil. Eine Gesellschaft, die Frauen nur dann akzeptiert, wenn sie sich in das Bild der kinderlosen, jederzeit mobilen, identitätspolitisch korrekt sprechenden Akademikerin fügen, diskriminiert Frauen – nicht weniger als ein altes Patriarchat, das sie ausschließlich am Herd sehen wollte.


Die Verteidigung der traditionellen Frau – der Mutter, der Ehefrau, der Naturwissenschaftlerin, die sich der Realität verpflichtet weiß – ist deshalb kein „rechtes Projekt”. Sie ist eine Voraussetzung für eine offene Gesellschaft, die Pluralität nicht nur in Flaggenfarben, sondern auch in Lebensformen zulässt. Wer wirklich Gleichberechtigung will, muss hinnehmen, dass Frauen sich für ein Leben entscheiden, das der linke Mainstream verachtet: für viele Kinder, für Bindung, für einen Glauben, für die Anerkennung biologischer Grenzen.


„Wir lassen uns unsere naturgegebene Identität nicht durch geisteskranke und bösartige Ideologien von Wokeness und Feminismus nehmen“, sagte die neugewählte Beisitzerin im Bundesvorstand der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ Julia Gehrckens und erntete dafür Applaus. Prompt ordnete in der Stuttgarter Zeitung die Tübinger Sozialwissenschaftlerin Sabine Volk die Rede als „typische feminationalistische Diskursstrategie“ ein.


Die Rechten sind nicht deshalb im Aufwind, weil sie „die Frauen zurück an den Herd“ schicken wollen, sondern weil sie – anders als die hegemoniale Linke – das Recht der Frau verteidigen, Mutter sein zu dürfen, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen. Der eigentliche Skandal unserer Zeit liegt nicht darin, dass es konservative Frauen gibt, sondern darin, dass sie heute mehr Angst vor linken Hasskampagnen haben müssen als vor einem „patriarchalen“ Chef.


Der neue Hass der Linken trifft nicht „die Frau“ im Allgemeinen. Er trifft jene Frauen, die sich weigern, sich von ihrer eigenen Natur, von ihrem Kinderwunsch, von ihrem Realismus in der Wissenschaft zu verabschieden. Wer sie verteidigt, verteidigt nicht irgendeine Ideologie, sondern die Möglichkeit, dass Wirklichkeit wichtiger sein darf als Diskurs – und dass eine Frau mehr ist als die wandelnde Projektionsfläche einer identitätspolitischen Bewegung.



Über den Autor: Thomas Hartung, geb. 1962 in Erfurt; promovierte nach seinem Lehramtsstudium in Magdeburg 1992 zur deutschen Gegenwartsliteratur und war danach als Radio- und Fernseh-Journalist in Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie als freiberuflicher Dozent für Medienproduktion und Medienwissenschaft an vielen Hochschulen Deutschlands tätig; der bekennende „Erzliberalkonservative“ trat als Student in die LDPD ein und 1990 aus der FDP aus: von „misslungener Einheit“ nicht nur mit Blick auf die Parteienfusion spricht er bis heute; Hartung war im April 2013 Mitbegründer der AfD Sachsen und wurde zweimal zum Landesvize gewählt. Seit März 2020 ist er Pressesprecher der AfD-Fraktion Baden-Württemberg.


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